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Kohls Vermächtnis für die Kirche

Monika Metternich über das Erbe des Altkanzlers Helmut Kohl

Standpunkt | Bonn - 20.06.2017

Als der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker einmal gefragt wurde, welchen Stellenwert die Dankbarkeit in der Politik für ihn habe, antwortete er kühl: "Dankbarkeit ist keine politische Kategorie."

In der Stunde der Nachrufe auf Helmut Kohl kennzeichnet die Konfrontation der Haltungen des feingeistigen, eleganten Freiherrn auf der einen und des "tumben Tölpels", als der Kohl zeitlebens verspottet wurde, auf der anderen Seite, etwas Grundsätzliches. Für Helmut Kohl, den Weizsäcker damals mit seiner Aussage treffen wollte, gehörte Dankbarkeit klar in die Politik hinein, was sich gerade am deutsch-französischen Verhältnis auch politisch klar ablesen lässt. Mehr noch führte gerade das Einbringen menschlicher Facetten zumal in die internationale Politik zu den heute unbestreitbar größten Erfolgen Kohls: Zur europäischen Einigung und der Herbeiführung der deutschen Einheit.

Es war an erster Stelle Kohls Freundschaft zum französischen Präsidenten Francois Mitterand, einem Sozialisten, die das Europa, das wir heute kennen, möglich gemacht hat. Diese Freundschaft war beiden Politikern nicht in die Wiege gelegt. Was sie trennte, war die Geschichte ihrer Völker, die unterschiedliche politische Einstellung und die Ausprägung ihrer Persönlichkeiten. Sie fanden sich aber auf einer sehr persönlichen Ebene, nämlich im Austausch ihrer persönlichen, traumatisierenden Kriegserfahrungen. Daraus resultierte nicht nur eine lebenslange Freundschaft, sondern auch Einigkeit darin, dass es einen Krieg innerhalb Europas niemals wieder geben dürfe und dafür das "Haus Europa" immer weiter ausgebaut werden müsse.

Die Nachrufe aller Präsidenten und maßgeblichen Politiker aus der damaligen Zeit zeigen: Die einfache, menschliche Annäherung war es, die ein Verständnis füreinander und ein Überwinden von scheinbar unüberwindbaren Differenzen und Schwierigkeiten möglich machte. Der Rest waren Verhandlungen, die auch hart sein konnten. Vielleicht könnte dieses Vermächtnis Helmut Kohls auch eine dankbare Anregung für die katholische Kirche in Deutschland sein: Miteinander reden ist fruchtbarer als übereinander lästern.

Von Monika Metternich

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

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