Leben ändern oder Dalai Lama folgen

Joachim Valentin über zwei Religionsführer

Standpunkt | Bonn - 13.07.2015

In diesen Tagen weilt der Dalai Lama in Hessen. Er ist mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Roland Koch befreundet und heute morgen um 9:30 Uhr gehöre ich selbst zu den mehreren hundert Ehrengästen, die ihm anlässlich seines 80. Geburtstages in der Frankfurter Paulskirche "begegnen" werden.

Es ist bereits das x-te Mal, dass er die Bundesrepublik bereist. Kein Zweifel: Es ist dem "Ozean der Weisheit" in jahrelangem Bemühen gelungen, als Kippfigur zwischen westlichem Religionsführer, Identifikationsfigur des leidenden tibetischen Volkes und verschmitztem Post-68er-Guru die Ideale des statistisch kaum wahrnehmbaren Vajrayana-Buddhismus weltweit zu einem öffentlichen Ereignis zu machen. Dass er damit die Sehnsüchte einer Mehrheit europäischer und nordamerikanischer Heilssucher zu bündeln in der Lage ist, scheint evident.

Aber gleichzeitig stellen sich in den letzten Jahren bei seinen Zuhörern in kleinem oder großem Kreis vermehrt Zweifel ein. Zumal seitdem man unter Papst Franziskus neu erlebt, wie charismatisch christliche Religion und ihr klarer ethischer Anspruch artikuliert werden kann. Was hat der Dalai Lama eigentlich zu sagen? Wie ändert man sein Leben, wenn man ihm folgt? Egal, ob er mit Bischof Stephan Ackermann, dem Exzellenz-Philosophen Rainer Forst oder dem Neurophysiologen Wolf Singer auftrat: Intelligent wirkten vor allem seine Gesprächspartner. Der "Ozean der Weisheit" selbst bekundete nur immer wieder, dass er von all den Wissenschaften, die sich um die Beantwortung der Menschheitsfragen mühen, nichts verstehe.

Dies mag Anhängern des buddhistischen Glaubens an Weltzugewandtheit genügen - ist ihnen doch alles Irdische nur Windhauch. Mir als katholischem Christen ist da eine Enzyklika, welche sich unter dem Titel "Laudato si" auf dem Boden einer wissenschaftlichen Analyse den Menschheitsproblemen zuwendet und vor dem Horizont eines Schöpfungsglaubens die Arbeit am Reich Gottes schon in dieser Welt emphatisch empfiehlt, bei weitem lieber.

Der Autor

Prof. Dr. Joachim Valentin ist Direktor des "Haus am Dom", dem katholischen Kultur- und Begegnungszentrum im Frankfurt am Main.

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Von Joachim Valentin

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