Letzte Worte?

Hans-Joachim Höhn über homosexuelle Paare und die Kirche

Standpunkt | Bonn - 04.04.2016

Kein Mensch kann sich selbst das Sprechen beibringen. Kein Mensch hat über sich selbst das letzte Wort. Auch testamentarische Bestimmungen eines letzten Willens können nichts daran ändern: Den Nachruf auf das eigene Leben kann man selbst nicht schreiben. Und gegen üble Nachrede kann man sich nicht mehr wehren. Das letzte Wort haben immer die anderen.

Bei der ökumenischen Trauerfeier für Guido Westerwelle in der Kölner Kirche St. Aposteln am Samstag war aus dem Mund eines katholischen Priesters ein gutes Wort über dessen Liebe zu einem Mann zu hören. Obwohl die katholische Kirche eine solche Verbindung nicht gutheißen will, hat Prälat Karl Jüsten gut über zwei Menschen gesprochen, die eine solche Verbindung gelebt haben. "Gut über jemanden sprechen" - das kann eine Übersetzung für das lateinische Wort "benedicere" sein.

Die katholische Kirche tut sich schwer damit, einer homosexuellen Beziehung etwas Gutes abzugewinnen. Dass zwei homosexuelle Menschen füreinander ein Segen sein können, dafür fehlen ihr die rechten Worte. Weder kann sie sich vorstellen, dass darauf der Segen Gottes liegt, noch ist ihr eine solche Verbindung die Bitte um Gottes Geleit wert. Sollte das ihr letztes Wort sein, dass sie kein gutes liturgisches Wort für eine solche Beziehung übrig hat?

An diesem Freitag wird das Schlussdokument der Bischofssynode zu Ehe und Familie vorgestellt. Mehr als der Titel ist noch nicht bekannt: "Amoris laetitia - Freude der Liebe". Manchen Spötter mag diese Überschrift an Aufklärungsfilme der 1970er Jahre erinnern. Aber lassen wir einmal den Spaß am Spott beiseite: Die Liebe und die Freude daran sind Papst Franziskus und seinen Beratern immerhin einen Text von fast 200 Seiten wert. Da müsste es eigentlich möglich sein, nicht nur Bekanntes zu wiederholen, sondern auch Neues zu sagen.

Aber trotz dieses Seitenumfangs wird von Insidern bereits vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Vermutlich wird man nichts Neues und nichts Gutes über Liebesbeziehungen lesen, die offiziell als "irregulär" gelten. Warten wir's ab. Vielleicht findet sich wenigstens ein gutes Wort für jene Menschen, die in einer solchen Beziehung einander die Treue halten, in guten wie in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod sie scheidet. Wenn es fehlt, sollte man sich nicht wundern, wenn es auf diesen Text auch üble Nachreden gibt.

Der Autor

Dr. Hans-Joachim Höhn ist Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Köln.

Hinweis

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Von Hans-Joachim Höhn

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