Liebe Bistümer, stellt Finanzexperten ein!

Agathe Lukassek über den Millionen-Verlust im Bistum Eichstätt

Standpunkt | Bonn - 07.02.2018

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de

Zunächst wirkt der Finanzskandal im Bistum Eichstätt einfach nur tragisch auf mich: Da wird ein externer Anlageberater Mitarbeiter der Finanzkammer des Bistums – und innerhalb von nur zwei Jahren schafft er es mit einem Kompagnon durch ungesicherte Kredite auf dem US-Immobilienmarkt einen Schaden von bis zu 60 Millionen US-Dollar zu verursachen. Sein Chef im Bistum, ein Domdekan "ohne tiefergehende wirtschaftliche Kenntnis", soll nach Angaben der Diözese in dem Zeitraum fachlich von seiner Aufgabe überfordert gewesen sein.

So, wie es sich in der 44-seitigen Strafanzeige des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke darstellt, ist die Diözese offenbar Opfer von zwei Betrügern geworden. Aber auf den zweiten Blick ist der Vorfall nicht einfach nur tragisch, sondern höchst ärgerlich. Wie kann es sein, dass ein überforderter Priester so eine verantwortungsvolle Position besetzten muss? Trotz aller Klagen über Priestermangel sitzen immer noch in allen Bistümern in Deutschland Geistliche auf Stellen, die genauso gut - oder wie im Fall Eichstätt - besser mit fachkundigen "Laien" besetzt wären.

Bistümer, bitte stellt Expertinnen und Experten ein! Vielleicht müsste das Erzbistum Hamburg nun nicht bis zu acht Schulen schließen, wenn man früher angefangen hätte, mit Fachleuten zusammenzuarbeiten. Immerhin scheint die Diözese Eichstätt gelernt zu haben: Nach einem Jahr Vakanz ist der neue Finanzdirektor ein "ausgewiesener Fachmann aus der Wirtschaftspraxis". Auch der Diözesanvermögensverwaltungsrat wurde inzwischen neu besetzt, mit externen Kaufleuten statt mit kirchlichen Würdenträgern. Eine Vorgabe des Bischofs lautet, künftig Geistliche von der Kontrolle des Vermögens fernzuhalten. Gut so! Aber schade, dass erst 60 Millionen Dollar verschwinden mussten, bis man zu dieser Erkenntnis kam.

Eine weitere wichtige Forderung an die Bistümer: macht weiter mit eurer Transparenz-Offensive! Nur im Zuge dieser Ende 2015 gestarteten Offensive der deutschen Diözesen kamen die krummen Geschäfte im Bistum Eichstätt überhaupt ans Licht. Doch noch immer haben nicht alle Bistümer nach der aufwändigen Umstellung auf die doppelte Buchführung gemäß Handelsgesetzbuch ihre Bilanzen und Vermögen veröffentlicht.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Transparenzoffensive auf einen Skandal reagierte – den um das Limburger Bischofshaus. Dieser Fall Limburg kostete das Vertrauen vieler in die Kirche und führte zu einer noch nicht gekannten Zahl an Kirchenaustritten. Es wird Zeit, dass die Kirche nicht nur auf Katastrophen reagiert, sondern selbst handelt.

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de.

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