Schachfigur
Agathe Lukassek über die vatikanische Pressearbeit

Lingua franca, äh, italiana

Agathe Lukassek über die vatikanische Pressearbeit

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 20.06.2018

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de

Gestern war es wieder mal soweit: Der Vatikan veröffentlichte ein lange erwartetes Dokument, das Arbeitspapier zur Jugendsynode im Oktober, auch unter dem offiziellen Namen "Instrumentum laboris" bekannt. Das gut 50 Seiten lange Arbeitsdokument wurde, anders als es der lateinische Name vermuten lässt, nur in einer Sprache veröffentlicht: auf Italienisch. Zum wiederholten Male brachte der Vatikan damit einen Text nicht in mehreren Übersetzungen heraus, sondern nur in einer Sprache, die außerhalb Italiens und der Vatikan-Blase wenige verstehen. Und in dem Fall handelt es sich um eine Bischofssynode, an der Katholiken, Christen und auch Nichtgläubige aus aller Welt interessiert sind.

Zudem ist es auch nicht so, dass das Dokument brandaktuell quasi druckfrisch am Dienstag raus musste. Die Pressekonferenz zur Vorstellung des "Instrumentum laboris" war bereits vor einer Woche angekündigt worden. Es wäre also genug Zeit gewesen, um den 214 Punkte umfassenden Text in weitere Sprachen zu übersetzen: auf Spanisch, Französisch, Portugiesisch, gegen Deutsch hätte wohl auch niemand was – und vor allem auf Englisch.

De facto ist Italienisch die Sprache im Vatikan. Aber muss sie auch die (alleinige) Sprache des Vatikans sein? Die Kirche ist der älteste "Global Player" der Welt – ist es da zu viel verlangt, zu erwarten, dass sie auch etwas internationaler denkt – und kommuniziert?

In den vergangenen Jahren hat sich in der Kommunikation des Heiligen Stuhls schon vieles zum besseren gewendet: Papstpredigten zu den Hauptfesten und bei Reisen werden in mehrere Sprachen übersetzt und hin und wieder findet sich etwas Englisch im täglichen Bulletin.

Aber es ist noch sehr viel Luft nach oben. Zum Beispiel beklagt man sich im Vatikan, dass Papstworte oft aus dem Kontext gerissen und in den Medien falsch widergegeben würden. Aber die täglichen Predigten des Papstes in der Kapelle von Santa Marta oder seine Ansprachen bei der Generalaudienz werden selten bis gar nicht in englischer oder gar deutscher Übersetzung veröffentlicht. Sie erscheinen vollständig nur zeitverzögert in der Druckausgabe des Osservatore Romano. So lange im Vatikan nicht akzeptiert wird, dass die lingua franca im 21. Jahrhundert nicht Italienisch ist, wird es Enttäuschung und Frust geben – auf beiden Seiten.

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de.

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