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Mischt euch ein!

Thomas Arnold über vier Jahre Franziskus

Standpunkt | Bonn - 13.03.2017

"Fratelli e sorelle, bouna sera" waren heute vor vier Jahren die ersten Worte des neuen Papstes vom Balkon des Petersdomes. Seitdem weht zwischen Petersplatz und den Rändern der Welt ein neuer Wind. Schon Päpste vor ihm haben sich in die Politik eingemischt und innerkirchliche Veränderungsprozesse angestoßen. Franziskus aber macht all dies auf eine Art und Weise, die selbst Kirchenkritiker Respekt zollen lässt. Dieser Pontifex rockt die Kirche. Mit seiner einfachen und bescheidenen Art gibt er der Kirche in der Welt ein Antlitz der Glaubwürdigkeit zurück, nach der sich viele in Folge vieler Erschütterungen und mancher Enttäuschungen gesehnt haben.

In aller Bescheidenheit scheut sich Franziskus aber nicht, Dilemmata deutlich zu formulieren. Der weiße Rauch war noch nicht verzogen, da entwickelte sich der Jesuit auch aus dieser Perspektive rasch zum Pontifex der Überraschungen. Amoris laetitia, Lund und Lampedusa sind dafür nur einzelne Synonyme. Unerwartete Reaktionen bleiben nicht aus. Oder wann haben Kardinäle zuletzt ihre Dubia öffentlich gemacht? Manche verstehen sein Handeln als Herabwürdigung des Papstamtes. Aber geht es ihm nicht vielmehr um eine Aktualisierung des christlichen Lebens in unserer Zeit? Zeichnet nicht gerade das Christliche aus, vom hohen Ross abzusteigen, um den Menschen - und ihren Nöten und Träumen - nahe zu sein?

Wer heute ein glaubhafter Zeuge für die Botschaft Jesu sein will, braucht diese Offenheit, die den anderen umarmt - egal in welchem Zustand er sich gerade befindet. Dem geht aber der Mut voraus, dem Treiben der Welt nicht tatenlos zuzusehen. Wenn es einen Franziskus-Stil gibt, dann dürften es jene Worte sein, die er selbst während des Weltjugendtages im Jahr 2013 an die Jugendlichen richtete: "Mischt euch ein!".

Er selbst macht vor, wie dies gelingen kann: Demütig und bescheiden im Auftreten, offen und dialogbereit in der persönlichen Begegnung, entschieden und klar in der Benennung der eigenen Position. Ausgerichtet am Evangelium, nicht am Ego. "Mischt euch ein" fordert das eigene Engagement, die Welt aus dem Glauben heraus zu verändern. Dazu kann dieser Papst Mut machen. Hier, jetzt und heute.

Von Thomas Arnold

Der Autor

Thomas Arnold ist Leiter der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

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