Nicht in Stein gemeißelt

Christoph Strack über die Verurteilung der Todesstrafe

Standpunkt | Bonn - 13.10.2017

Wieder typisch Papst Franziskus. Er drängt auf eine umfassende offizielle Verurteilung der Todesstrafe in der katholischen Lehre, und er hat gleich auch sein Bedauern darüber geäußert, dass der Kirchenstaat in früheren Zeiten Menschen aus Sorge "um Macht und Reichtümer" hingerichtet habe. Gut, dass Franziskus diesen Anstoß gibt. All das hat der Papst nicht so nebenbei gesagt, sondern er hat sich sehr grundsätzlich und bei richtiger Gelegenheit geäußert.

Zum 25. Jahrestag der Veröffentlichung des Katechismus der katholischen Kirche äußerte sich Franziskus am Mittwochabend vor Kurienvertretern. In dem Dokument heißt es, die "überlieferte Lehre der Kirche" erkenne das Recht und die Pflicht der staatlichen Gewalt an, angemessene Strafen zu verhängen, "ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen". Das wurde 1992 in den Medien aufmerksam wahrgenommen und meist kritisiert. Aber es stand eben in der Tradition der kirchlichen Lehre.

"Man kann das Problem nicht auf eine bloße Erinnerung an die historische Lehre reduzieren, ohne weder den Fortschritt der Glaubenslehre durch die letzten Päpste noch das veränderte Bewusstsein des christlichen Volks hervorzuheben", erklärte Franziskus nun. Die Todesstrafe stehe in sich "im Gegensatz zum Evangelium, weil willentlich beschlossen wird, ein Menschenleben auszulöschen, das in den Augen des Schöpfers immer heilig" sei. Ganz gleich, wie schwer ein begangenes Vergehen ist. Platt gesagt: Wer strikt gegen die Abtreibung ist, kann schlecht die Kapitalstrafe verteidigen.

Bemerkenswert ist, dass der Papst den "Fortschritt der Glaubenslehre durch die letzten Päpste" anführt. Vielleicht gibt es deshalb nun auch das ein oder andere kritische Wort gegen seinen Vorstoß. Denn Franziskus erinnert schlicht und einfach daran, dass auch ein "Weltkatechismus" nicht ein für allemal Lehre in Stein meißelt, sondern dass Glaubenslehre in Entwicklung ist. Nicht von heute auf morgen – aber durchaus in 25 Jahren. Ein gutes Zeichen.

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist stellvertretender Leiter des Hauptstadtstudios der Deutschen Welle.

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