Standpunkt

Nicht klagen, sondern handeln

Sophia Michalzik über eine Studie zum Thema Religion und Moderne

Bonn - 20.05.2015

Das Ergebnis scheint eindeutig: Den Kirchen kommen ihre Gläubigen abhanden. Zu diesem Ergebnis sind die beiden Religionssoziologen Detlef Pollack und Gergely Rosta gekommen, die die Rolle der Religion in aller Welt untersucht haben.

Für die beiden Forscher liegt ein Grund für den zunehmenden Bedeutungsverlust der Kirchen im hohen Wohlstandsniveau unserer Gesellschaft. Frei nach dem Motto: Uns geht es so gut – wir brauchen keinen Gott mehr. Einher geht damit auch ihre Erkenntnis, dass sich die moderne Freizeit- und Unterhaltungskultur ebenfalls negativ auf die Bedeutung der Kirchen in Deutschland und Westeuropa auswirkt. Viele Menschen scheinen anderes wichtiger zu finden als sonntags in die Kirche zu gehen.

Linktipp: Wie hältst du's mit der Religion?

Lesen Sie hier den Artikel zur Studie Religion in der Moderne.

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Über all das kann ich jetzt schimpfen. Ich kann über diese egomane Gesellschaft klagen. Oder ich kann genauer hinsehen. Wenden sich die Menschen wirklich von Gott ab? Wohl kaum. Viele sind auf der Suche nach Sinn in ihrem Leben, nach etwas Übergeordnetem, nach einem spirituellen Wegweiser. Denn spätestens in Krisensituationen wird uns unser eigener Wohlstand nur bedingt weiterhelfen.

Für die Kirche ist deswegen noch längst nicht alles verloren. Gerade für uns Christen ist Hoffnung ein elementarer Bestandteil unseres Glaubens. Wir sind jetzt aufgerufen, den Menschen in seinem Hier und Jetzt abzuholen und anzunehmen. Das fängt beim vielfältigen Schulangebot der Kirchen an und geht bis zum engagierten Kirchenasyl. Kirche kann durchaus in die Gesellschaft hineinwirken. Sie muss es nur selbstbewusst tun.

Zu einem engagierten Auftreten gehört aber auch, das eigene Seelsorgekonzept zu hinterfragen. Funktionieren unsere Großpfarreien wirklich so, wie es anfangs gedacht war? Die Analyse von Pollack und Rosta hat ergeben, dass Religiosität schwer ohne kirchliche Gemeinschaft funktioniert. Doch wie soll jemand, der sich langsam an die Kirche als Gemeinschaft herantastet, sich in einer zunehmend anonymen Großpfarrei angenommen fühlen? Hier gilt es jetzt nachzujustieren – und alle Optionen zu prüfen.

Die Autorin

Sophia Michalzik ist Redakteurin bei katholisch.de.

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Von Sophia Michalzik

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