Politiker, bekennt euch!

Agathe Lukassek über Abgeordnete und ihre Religion

Standpunkt | Bonn - 27.09.2017

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de

Noch vor einem Jahr saßen 200 evangelische und 203 katholische Christen, je drei Muslime und Atheisten sowie 23 Konfessionslosen im Bundestag. "Nur" knapp ein Drittel, nämlich 198 der Abgeordneten, machten keine Angaben zum Thema Religion. Beim neugewählten Bundestag "schweigen" dagegen schon 46 Prozent aller Abgeordneten. Für mich ist das eine besorgniserregende Entwicklung.

Besonders erstaunt das bei der AfD: Denn aus der "Alternativen für Deutschland" machen fast drei Viertel keine Angabe. Und von denen, die antworten, stellen die Konfessionslosen die größte Gruppe. Verwunderliche Zahlen für eine Partei, die das christliche Abendland verteidigen will.

Insgesamt wurden für diesen Trend bereits 2008 verschieden Gründe genannt: Die einen fühlen sich nicht (mehr) religiös, andere fürchten, durch eine Angabe entweder religiöse oder nichtgläubige Wähler abzuschrecken. Das gefällt mir nicht! Bekennt euch! Ich persönlich vertraue einem Politiker mehr, der eine ehrliche Angabe zu seiner Religiosität oder Nichtreligiosität macht, als einem, der das Thema verschweigt. Denn Religion spielt auch heute noch eine große Rolle. Das zeigen die vielen Debatten der vergangenen Jahre: Flüchtlinge, Sterbehilfe oder "Ehe für alle".

Doch wer sich dann zum Christentum bekennt, sollte auch danach leben: Bei der CDU/CSU gibt eine überwältigende Mehrheit die Konfession an – und alle sind sie Christen. Aber reicht die Angabe im Online-Lebenslauf aus? Wenn CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn fordert, die Kirchen sollten sich weniger zu Hartz-IV oder zur Flüchtlingspolitik äußern oder Innenminister Thomas de Maiziere Realitätsferne vorwirft, fragt man sich schon, wie ernst sie es mit ihrem christlichen Bekenntnis meinen. Die Bergpredigt bleibt für Christen immer ein Ansporn, egal, wie weit man bei der Umsetzung kommt.

Umso schöner ist es, wenn es unter den 709 Abgeordneten noch zahlreiche gibt, die in kirchlichen Ämtern aktiv sind und ihren Glauben im Alltag leben. So meldete etwa der KDFB nach der Wahl stolz: Elf Mitglieder des Katholischen Deutschen Frauenbundes ziehen in das Parlament ein. Glückwunsch - zur Wahl und zum Bekenntnis!

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de.

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