Rand und Mitte

Gudrun Sailer über den Papstbesuch in Myanmar und die Kurienreform

Standpunkt | Bonn - 23.11.2017

redakteurin gudrun sailer

So weit an den Rand wie möglich: von dieser Maxime lässt sich Papst Franziskus gerne leiten, wenn er reist. Am Sonntag bricht er wieder zu so einer klassischen Franziskus-Tour in die Peripherie auf, nach Myanmar und Bangladesch. Winzige katholische Gemeinden dort, und riesige Schwierigkeiten rundherum, um nur die Rohingya-Krise zu nennen mit dem himmelschreienden Unrecht, das diese muslimische Minderheit erleidet.

Franziskus reist bevorzugt dorthin, wo es brennt, wo seine Anwesenheit wirklich etwas bewegen kann. Er macht sich zum Anwalt derer, die leiden, nimmt jene ins Gebet, die helfen könnten, drängt auf Gewaltverzicht und Versöhnung. Er nutzt seinen Status als weißgekleidetes Weltgewissen. Das ist eine noble Aufgabe für ein katholisches Kirchenoberhaupt, weil es die Botschaft Christi auch dort ins Werk setzt, wo das Christentum "peripher" ist.

Genau diesen Schritt hinaus aus dem Innerkatholischen tun jeden Tag auch die päpstlichen Diplomaten in ihren Einsatzorten überall auf der Welt. Mit Bangladesch (drei Promille Katholiken) hat der Heilige Stuhl schon lange diplomatische Beziehungen, mit Myanmar (ein Prozent Katholiken) aber erst jetzt: vor zwei Wochen empfing der Papst den ersten Botschafter aus Rangun zum Antrittsbesuch, sein eigener Botschafter ist dort seit August im Dienst. Insgesamt unterhält der Heilige Stuhl mit 183 Nationen volle diplomatische Beziehungen, ein Unikum für eine Religionsgemeinschaft.

Papst Franziskus stärkt jetzt die päpstliche Diplomatie – von der Zentrale aus. Soeben hat er im Zug der Kurienreform am Staatssekretariat eine dritte Abteilung geschaffen, die sich einzig um das diplomatische Personal kümmert: Auswahl und Schulung der Kandidaten, Fortbildung der Nuntien, ihre Lebens- und Dienstbedingungen, ihre Versetzung und Beförderung. Warum mehr Sorge ausgerechnet für die päpstlichen Botschafter? Weil das diplomatische Wesen des Heiligen Stuhles nicht dem Selbsterhalt einer verschwiegenen diplomatisch-priesterlichen Lebensform dient. Nuntien stehen nicht nur der Ortskirche bei und helfen bei der Auswahl von Bischöfen und Kardinälen, sie reden auch mit schwierigen Politikern und strengen Religionsführern oder vermitteln Friedensverhandlungen. Nuntien stehen nicht im Rampenlicht. Das macht sie effizient. Es ist ein stiller kirchlicher Dienst gerade an den bedürftigsten Menschen in den jeweiligen Ländern. Was der Papst mit seinen Reisen öffentlich tut, das tun seine Diplomaten still. Wenn Franziskus die Nuntien stärkt, stärkt er die Peripherie ebenso, wie er das mit seinen Reisen tut.

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Radio Vatikan".

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