So wahr mir Gott helfe

Hans-Joachim Höhn über Donald Trump

Standpunkt | Bonn - 16.01.2017

In wenigen Tagen wird der 45. Präsident der USA vereidigt. Die Zeremonie ist kurz und knapp. Nach 30 Sekunden ist alles vorbei. Vor dem obersten Richter seines Landes wird er die Eidesformel ablegen: "Ich, Donald John Trump, schwöre feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich ausführen und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften wahren, schützen und verteidigen werde." Ich bin gespannt, ob er danach seinen Eid bekräftigen wird mit dem Satz "So help me God" ("So wahr mir Gott helfe"). Dieser Satz ist nicht verpflichtend. Er findet sich weder in der Verfassung noch in ihren ebenso wichtigen Zusatzartikeln ("amendments"). Historisch belegen lässt sich nur, dass er seit der Vereidigung von Chester Arthur zum 21. Präsidenten der USA (1881) üblich ist.

Bisher hat Donald Trump nicht erkennen lassen, dass er bei seine Amtsführung auf fremde Hilfe angewiesen ist. Im Gegenteil. Strotzend vor Selbstbewusstsein macht er klar, wer allein das Sagen hat. Wer es nicht hören will, den lässt er es spüren: Alles hört auf sein Kommando – nicht nur in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Er scheint auf nichts und niemanden Rücksicht zu nehmen. Vor seinem Amtsantritt hat er Grundnormen des moralischen und politischen Anstands gebrochen, wohlmeinende Ratgeber brüskiert, die Verbündeten in der NATO irritiert und die Weltmacht China provoziert.

Soll man ihm abnehmen, dass er die religiöse Bekräftigungsformel ernst nimmt? Oder bedeutet sie ihm so viel wie seine zahlreichen Twitter-Meldungen, deren Halbwertzeit oft nur wenige Stunden beträgt? Sagt er, was er meint, und meint er, was er sagt? Oder ist alles nur Show, Inszenierung, Bluff? Trotz meiner Zweifel an seiner Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit hoffe ich, dass Donald Trump den Zusatz "So help me God" tatsächlich verwendet. Es wäre ein kleines Hoffnungszeichen. Denn mir graut vor Politikern, die bei der Ausübung ihrer Macht überzeugt sind, dass alles in ihrer Macht steht. Meine Angst vor politischer Überheblichkeit wird ein wenig geringer, wenn die Mächtigen dieser Welt sich selbst relativieren können. Sie sollen tun, was in ihrer Macht steht. Aber sie dürfen ihre Macht nicht über alles stellen. Darum ist mir der religiöse Zusatz zum Amtseid wichtig. Im Augenblick der Übertragung von Macht wird ein Zeichen der Demut gesetzt. Hoffentlich bleibt es nicht Trumps einzige Geste dieser Art.

Von Hans-Joachim Höhn

Der Autor

Dr. Hans-Joachim Höhn ist Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Köln.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

RSS-Feeds  |  Jobs  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018