Sprecht über den Glauben!

Theresia Lipp über kirchliche Strukturreformen

Standpunkt | Bonn - 13.11.2017

Im Bistum Trier sollen aus 887 Pfarreien 33 Großpfarreien werden. Für die geplante Umstrukturierung hätte man sich keine erschreckenderen Zahlen ausdenken können. Da tut es gut, dass die Verantwortlichen – wie in anderen Diözesen mit ähnlich ambitionierten Plänen – gebetsmühlenartig das Gebot der Stunde wiederholen: Gläubige müssen ihr Taufbewusstsein entwickeln und ihre Charismen entdecken.

Das ist bitter nötig, wenn immer öfter nicht nur der Priester, sondern auch die Pastoralreferentin und der Gemeindereferent fehlen und die pastoralen Angebote fortan von Ehrenamtlichen getragen werden müssen. Nur: Wo entfaltet der ganz normale Katholik seine Charismen, wo fragt er sich persönlich, was es bedeutet, Anteil zu haben am Priester-, Königs- und Prophetenamt Christi, wie es ihm in der Taufe zugesagt wurde?

So paradox es klingt: In der katholischen Kirche wird zu wenig über den Glauben gesprochen. Abseits der Vorbereitung auf die Sakramente, in der – je nach Konzept – der persönliche Glaube zur Sprache kommen darf, fehlt diese Möglichkeit in der Pfarrei. Erwachsene kommen zur Kirche, weil sie im Gottesdienst die Lesung halten, ihr Kind vorbeibringen oder eine Kuchenspende abgeben wollen – kurz, wegen eines Zwecks. Einmal ganz ohne übergeordnetes Ziel über Glauben und Zweifeln ins Gespräch kommen – das findet selten statt.

Um einen Artikel darüber zu schreiben, besuchte ich einmal ein Treffen von Gemeindemitgliedern, die für einen Besuchsdienst in der Pfarrei ausgebildet werden sollten. Mein Eindruck war jedoch viel eher: Das hier ist – im besten Sinne des Wortes – eine katholische Selbsthilfegruppe! Die Teilnehmenden tauschten sich über ihren Glauben und ihre Anliegen aus und versuchten, sich gegenseitig zu ermutigen. Hier konnte endlich jeder mit seiner persönlichen Glaubensbiographie vorkommen. Der eigentliche Grund des Treffens rückte zumindest zeitweise in den Hintergrund.

Wie schön wäre es, wenn ein solches, nicht verzwecktes Forum einen festen Platz im Gemeindeleben hätte - neben dem Adventskränze-Binden und der Pfarrgemeinderatssitzung. Denn wenn in Zukunft Ehrenamtliche noch viel stärker als bisher das pfarrliche Leben tragen sollen, dann brauchen sie dringend Orte, wo sie über ihren Glauben sprechen und reflektieren können. Allein schon, damit sie nicht aus dem Blick verlieren, wofür sie das alles eigentlich tun.

Von Theresia Lipp

Die Autorin

Theresia Lipp ist Romanistin und Studentin der katholischen Theologie. Sie arbeitet als freie Mitarbeiterin für verschiedene katholische Medien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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