Stabilisiertes Vertrauen auf niedrigem Niveau

Andreas Püttmann über das gesellschaftliche Ranking der Kirche

Standpunkt | Bonn - 08.01.2018

Zum Jahreswechsel ermittelte Forsa das Vertrauen in "nicht-politische gesellschaftlich relevante Institutionen". Die gute Nachricht für die Kirchen: Sie gewannen seit 2016 in der Bevölkerung leicht an Vertrauen: plus 2 Prozent die evangelische, plus 1 die katholische Kirche. Indes brachen die Unternehmer (-18%) und der Zentralrat der Muslime (-15%) regelrecht ein; auch Schulen (-8), Manager, Bundeswehr (je -7), Versicherungen (-6), Presse und Fernsehen (je -4) büßten an Vertrauen ein. Die evangelische Kirche landete mit 48 Prozent auf Rang 13 von 26, hinter Gewerkschaften, Krankenkassen und Bundeswehr, deklassiert von Polizei (83%), Universitäten (80), Ärzten (78), dem eigenen Arbeitgeber (75%) und kommunalen Unternehmen (72%).

Die katholische Kirche kam mit 27 Prozent auf Rang 18, etwa gleichauf mit dem Fernsehen und den Unternehmern, halb so vertrauenswürdig wie der Papst (54%, Rang 9). Sie bleibt im Land Luthers, obwohl größte Glaubensgemeinschaft, das konfessionelle Aschenputtel. Vor den drei großen Skandalen 2009 bis 2013 waren die Vertrauenswerte nicht wesentlich besser. Wer in einer säkularisierten, liberalen Gesellschaft letzte Wahrheiten verkündet, meistens hierarchisch top-down entscheidet, eine strenge Sexualmoral vertritt und die höchste Leitungsebene qua Weiheamt zölibatären Männern vorbehält, wird einen großen Teil der Menschen immer befremden, mag er sich ansonsten noch so mühen, Gutes zu tun. Insofern spiegelt die Vertrauens-Hitparade nicht nur "die Erfahrungen der Bundesbürger während des vergangenen Jahres 2017" (Forsa), sondern auch tiefer wurzelnde, beständige Sym- und Antipathien, Bedürfnisse und Betroffenheiten.

Die Antwort der deutschen Provinz einer weltweiten, kulturell ungleichzeitigen Kirche kann weder eilfertige Anpassung durch Ausverkauf alles Sperrigen oder Gefährdung der Einheit noch trotzige Einbunkerung oder gar antiliberale Aggression im Bündnis mit ganz unchristlichen Kräften sein. Gefragt ist eine wache, nachdenkliche, kritische, demütige und liebevolle Zeitgenossenschaft; ein millionenfaches persönliches Zeugnis, warum man, trotz mancher Zweifel und Ärgernisse, fröhlich, mündig und behütet katholisch leben kann; warum Glaube und Glück, Bindung und Freiheit, moralische Ambition und Nachsicht keine Antipoden sind, sondern sich ergänzen und bedingen. "Geborgenheit im Letzten gibt Gelassenheit im Vorletzten" (Guardini). In dem Sinne "entweltlicht", können wir, unbekümmert um unser "Ranking" bei wem auch immer, privat und als Kirche ins Neue Jahr gehen.

Von Andreas Püttmann

Der Autor

Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.

Hinweis

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