Symbolpolitik hilft nicht weiter

Volker Resing über Denkmäler für polnische Nazi-Opfer

Standpunkt | Bonn - 16.11.2017

Volker Resing

Der Vorschlag stammt von keinem anderen als Władysław Bartoszewski. Der frühere polnische Außenminister, engagierter Katholik, Historiker und Publizist hatte 2012 angeregt, in Berlin ein Denkmal zur Erinnerung an die polnischen Opfer der deutschen Nazi-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs zu errichten. Prominente greifen nun die Idee des 2015 verstorbenen Versöhners und historischen Aufklärers auf. Die beiden früheren Bundestagspräsidenten, Rita Süssmuth (SPD) und Wolfgang Thierse (SPD), haben als Initiatoren eine Reihe von Mitstreitern gefunden. Der neue Bundestag möge sich dieses Anliegens annehmen, denn das barbarische Unrecht, dass die deutsche Besatzungsmacht den Polen angetan habe, sei unzureichend bekannt. Kaum eine polnische Familie, die nicht Opfer der deutschen Besatzungsmacht gewesen sei, heißt es in dem Aufruf. Auch Berlins Erzbischof Heiner Koch unterstützt die Idee.

Was soll man schon dagegen haben? Das historische Unrecht und die auch aktuelle Notwendigkeit daran zu erinnern, sind unstrittig. In Berlin gibt es viele Denkmäler, also kann auch noch eins dazu kommen. Doch darin, dass der Vorschlag so wohlfeil ist, liegt eben auch die Gefahr. Kritiker wie der SPD-Politiker Markus Meckel warnen vor einer "falschen Signalwirkung". Auch für die ukrainischen, belarussischen, russischen und weiteren Opfer könnten dann mit Recht Denkmale errichtet werden, bei jeder Gruppe gehe laut Meckel die Zahl der Opfer in die Millionenhöhe. Vielmehr brauche es deswegen ein Denkmal anderer Art.

Richtig ist, nur Symbolpolitik hilft nicht weiter. Es sind schon einige Denkmäler im Berliner Tiergarten versteckt, die keiner wahrnimmt. Wenn aber ein Denkmal oder eine derartige Initiative dem Wort nach zum Nachdenken anregt, wenn die Debatte hilft, auch das aktuelle schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Polen besser zu verstehen, dann wird viel erreicht. Vielleicht braucht es dazu dann auch das gebaute Denkmal, um in der historischen Aufarbeitung in den Köpfen nicht nachzulassen.

Von Volker Resing

Der Autor

Volker Resing ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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