Verbaler Kreuzzug rund um das Kreuz

Gabriele Höfling über die Kreuz-Debatte

Standpunkt | Bonn - 03.05.2018

Die Wende, die die Kreuz-Debatte seit Anfang der Woche nimmt, befremdet mich. Am Montag hat Kardinal Reinhard Marx in der Süddeutschen Zeitung gesagt, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder habe mit seinem Kreuz-Beschluss nur Spaltung und Unruhe ausgelöst. Seitdem steht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bei manchen Kritikern buchstäblich am Pranger.

Besonders in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke zeigt sich, dass einige sich gar nicht mehr die Mühe machen, zur Kenntnis zu nehmen, was Marx wirklich gesagt hat. Es geht ihm nämlich gar nicht - wie von ihnen unterstellt - darum, das Aufhängen der Kreuze selbst zu kritisieren, sondern es geht um dessen Instrumentalisierung für staatliche Zwecke. Doch das geht im religiösen Eifer unter. Gegen den Kardinal begeben sich die selbsternannten rechtgläubigen Kommentatoren auf einen verbalen Kreuzzug. Wüste Beschimpfungen des Erzbischofs aus dem Mund der Gläubigen scheinen für diesen Zweck vollkommen legitim. Schade, dass auch der österreichische Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen sich bei einem Vortrag in Heiligenkreuz in einem emotionalen Ausbruch dazu hinreißen ließ, die Argumentation von Marx und anderen deutschen Bischöfen als "Schande" zu bezeichnen.

Auch der in der Debatte gern gezogene Querverweis auf einen Besuch der deutschen Bischöfe im Jahr 2016 im Heiligen Land scheint mir fragwürdig. Hohe Wellen hatte damals geschlagen, dass die Hirten auf dem Jerusalemer Tempelberg der Bitte nachgekommen waren, aus Respekt vor der angespannten religiösen wie politischen Lage auf das Brustkreuz zu verzichten. "Wer das Kreuz selbst leugnet, der darf erst recht nicht den bayerischen Kreuz-Beschluss kritisieren", lautet die verkürzte Schlussfolgerung der Kritiker.

In meinen Augen ist die Sachlage eine andere. Selbst wenn die Bischöfe damals auf dem Tempelberg unglücklich agierten, dann zeigt das jetzige Verhalten des Vorsitzenden der Bischofskonferenz doch, dass er aus der Situation gelernt hat. Noch einmal soll das Kreuz nicht politisch instrumentalisiert werden. Deswegen muss es nicht in jeder bayerischen Behörde hängen, schon gar nicht "von Gnaden des CSU". Und statt plumpen Bischofsbeschimpfungen würde ich mir lieber eine ehrliche Debatte darüber wünschen, was den Menschen das Kreuz im Jahr 2018 noch bedeutet.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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