Verunsicherung der Gläubigen

Dominik Blum über die Debatte um den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner

Standpunkt | Bonn - 23.04.2018

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Wenn heute in Würzburg der Ständige Rat der Bischofskonferenz tagt, geht der Streit um die Kommunionspendung an den nichtkatholischen Partner in einer konfessionsverbindenden Ehe weiter. Diese Auseinandersetzung ist unheilvoll, weil sie die wenigen Gläubigen verunsichert, die sich von einer solchen innerkirchlichen Debatte überhaupt noch betreffen lassen. Und zwar auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Das erlebe ich seit Wochen bei Gremienabenden und in Einzelgesprächen in den Pfarreien.

"So etwas gäbe es in unserer Firma nicht, dass ein gemeinsam gefasster Beschluss im Nachhinein oben angeprangert wird. Schlechter Stil!" Diese Rückmeldung zum Prozedere der Entscheidungsfindung und der Beschwerde habe ich häufiger gehört. Und ich teile die Kritik. Denn es würde mich sehr wundern, wenn die sieben Diözesanbischöfe ein solches Vorgehen in ihren eigenen Bistumsgremien für zulässig hielten oder gar goutieren würden.

Der weit überwiegende Teil der mit einem evangelischen Partner verheirateten katholischen Christen besucht ebenso selten eine Eucharistiefeier wie die meisten anderen Katholiken. Für sie spielt die Erlaubtheit des Kommunionempfangs für den nichtkatholischen Partner überhaupt keine Rolle. Schwerwiegend aber ist die Verunsicherung der Christen in einer katholisch-evangelischen Ehe, die eine solche Debatte tatsächlich existenziell mitvollziehen und um die Gestaltung eines gemeinsamen religiösen Lebens und verbindende Formen gefeierten Glaubens ringen. Viele tun schon längst, gerechtfertigt vor ihrem Gewissen und nach Gesprächen mit ihren Seelsorgern, was die Bischöfe endlich im Februar legitimiert haben. Und setzen damit ein reales Symbol gelebter Kircheneinheit. Wenige verzichten schweren Herzens auf diese vorweggenommene Communio und dokumentieren damit bewusst den schmerzlichen Unfrieden zwischen ihren Kirchen. Sie alle tun dies in dem guten Glauben, vor Gott richtig zu handeln. Nun werden sie durch den unseligen Streit der Bischöfe zusätzlich verunsichert.

Papst Franziskus hat am Wochenende auf dem Petersplatz gesagt: "Die Eucharistie versöhnt und vereint uns alle. Das Wort Gottes zu teilen und gemeinsam Eucharistie zu feiern lässt uns näher rücken und uns als Geschwister auffassen. Schritt für Schritt wird damit unsere Gemeinschaft heilig und missionarisch." An die konfessionsverbindenden Ehen und die deutschen Bischöfe hat er dabei wohl nicht gedacht. Oder doch?

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

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