Was ist Familie? Was braucht Familie?

Dominik Blum über Familienfragen vor der Synode

Standpunkt | Bonn - 23.06.2015

Familienfragen bestimmen derzeit den öffentlichen Diskurs. Im katholischen Irland hat das Volk für die "Homo-Ehe" votiert, in Rom dagegen protestiert. In Deutschland zögern die Unionsparteien noch, wie sie sich zu einer "Ehe für alle" positionieren sollen - die bereits breite Zustimmung in der Bevölkerung findet.

Morgens beim Bäcker diskutieren Menschen über die Kindergelderhöhung, die der Bundestag beschlossen hat: Ob vier Euro 2015 und nochmals zwei im nächsten Jahr tatsächlich "mehr Leistungen für Familien" sind oder doch nicht mehr als ein Spaghetti-Eis im Monat. Hinter all den Debatten stehen grundsätzliche Familienbilder: Was ist Familie eigentlich - und was brauchen Familien zum Leben?

Heute hat Hermann Gmeiner Geburtstag. Zur Welt gekommen 1919 in einer österreichischen Bauernfamilie, Halbwaise, selbst verwundet im Zweiten Weltkrieg, definiert der gläubige junge Mann neu, was in der Nachkriegsnot für die vielen verwahrlosten und verlassenen Kinder Familie ist: eine Frau als Mutter, andere Kinder als Geschwister, ein Dach über dem Kopf. Daraus entsteht - gegen Widerstände - die Idee der SOS-Kinderdörfer. Heute, 2015, leben allein in den 16 deutschen Kinderdörfern fast 700 Kinder in solchen Familien.

Morgen feiert die Kirche den Geburtstag von Johannes dem Täufer. "Schande" lag in den Augen der Gesellschaft auf seiner Mutter, auf seiner Familie, erzählt das Lukas-Evangelium. Und der Engel des Herrn hatte einige Mühe, mit der Verheißung von der Geburt des Sohnes zu dem ungläubigen Vater durchzudringen. Doch Gott macht die merkwürdigen Familien stark, die kleinen Familien groß, die schändlichen und verachteten Kinder und Eltern wichtig und zu Heilsbringern und Propheten. In Nazareth und anderswo.

In Rom wird heute das vatikanische Arbeitspapier für die Familiensynode im Oktober veröffentlicht. Viele Katholiken erwarten von den Bischöfen, wie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken betont hat, "Brücken zu bauen zwischen Lehre und Lebenswelt". Ich meine, zwei Brückenköpfe des Dialogs müssten sein: ein Vertrauen darauf, dass auch andere, "neue" Familienformen segensreich sein können. Und ein Nachvollziehen der Option Gottes für die armen Familien in seelischer, materieller oder moralischer Not.

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

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Von Dominik Blum

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