Wenn Zahlen nicht zählen

Christoph Strack über die Initiative "Pro Pope Francis"

Standpunkt | Bonn - 22.11.2017

christoph Strack von der deutschen Welle

Das klingt so schön, eigentlich kann man es nicht kritisieren: Katholiken unterstützen ihren Papst. Den Gedanken haben wohl viele, wenn sie von "Pro Pope Francis" hören, der Initiative zur Unterstützung des Papstes. Aber auch nach über einem Monat frage ich mich: Ist es schon soweit, dass Katholiken Unterschriften für den Papst sammeln müssen. Und zweifele.

Weltweit gibt es rund 1,2 Milliarden Katholiken. Schon an jedem einzelnen Werktag werden zig Millionen die Heilige Messe besuchen, hunderte Millionen an jedem Sonntag – und sie beten dabei auch für den Papst. Und viele werden gewiss sehr bewusst und gerne für diesen wunderbaren Papst Franziskus beten, der ihnen so nahe scheint und in seiner menschlich beeindruckenden Art dem Amt neue Größe verleiht, der auch mal von seinen Fehlern spricht und seinem eigenen Tod.

Ich hatte das Glück – und ja, es ist das Glück des Journalisten –, Franziskus zu erleben und ihn auch aus der Nähe zu erleben. In Betlehem, auf Kuba, auf Lesbos, vielfach in Rom, zum Beispiel bei seiner Begegnung mit Roma und Sinti. Seine direkte Art, seine Zuwendung gegenüber allen, gerade den Menschen am Rande. Ich bete gern in der Messe für diesen Papst. Ganz unabhängig davon, dass es auch schon mal Äußerungen gibt, die den Kopf schütteln lassen. Aber das ändert nichts am Grundsätzlichen.

Und doch bleibt der Zweifel an dieser Unterschriften-Aktion. So wichtig sind mir die vier, drei, zwei Kardinäle nicht, die für die Kritik an Franziskus stehen, erst recht nicht die 60 Unterzeichner, die sich mal solidarisch erklärten. Sie bleiben für mich marginal und gestrig. Das soll nicht den Ernst der theologischen Debatte schmälern – Kirche braucht Debatte, weil sie ja immer Kirche auf dem Weg sein will und hoffentlich auch ist.

Gelegentlich gibt es Wasserstands-Meldungen von der Unterschriften-Aktion. Mal wieder 10.000 mehr; und nach ein paar Wochen wäre es doch kaum ein volles Stadion… Kardinäle sind auch dabei, nun ja, nicht wirklich Kardinäle, aber Bildungshäuser, die nach Kardinälen benannt sind.

Aber schon der Verweis auf die Zahlen zeigt, wie relativ das Unterfangen – des von mir durchaus sehr geschätzten Paul Michael Zulehner – ist. Und die Kardinäle? Ein Kardinal oder Bischof, dessen Name nicht implizit unter der Intention des Appells steht, sollte in sich gehen oder von mir aus ins Kloster. Aber deswegen muss er nicht unterschreiben. Und bitte, ich möchte kein Ranking: Der hat unterschrieben, jener nicht. Egal ob der Typ Lieschen Müller in der afrikanischen Savanne oder ein Kardinal in seiner deutschen Residenz.

Für mich bleibt einer der Wesenszüge der katholischen Kirche, dass 1,2 Milliarden Menschen zum Papst gehören. Da braucht es keine Unterschriften. Es sagt doch alles über jene Kritiker, die meinten, sich namentlich distanzieren zu müssen. Damit sind sie doch längst keine Herausforderung für die 1,2 Milliarden.

Ich bin keinem böse, der das anders sieht. Das ist das Schöne an der Kirche: Man darf munter streiten und diskutieren.

22.11.17, 12:30 Uhr: Korrektur im ersten Absatz zur Laufzeit der Initiative.

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist stellvertretender Leiter des Hauptstadtstudios der Deutschen Welle.

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