Wir lernen noch

Dominik Blum zum Internationalen Tag gegen Homophobie

Standpunkt | Bonn - 17.05.2016

Pfingstbummel in Amsterdam. Zwischen Van Gogh und Pommes stehen wir irgendwann an der Keizersgracht vor dem Homomonument. Auf den Stufen aus rosa Granit liegen Blumen. Das Denkmal mahnt gegen jede Unterdrückung und Zurücksetzung homosexueller Menschen und fordert uneingeschränkte Gleichberechtigung. Der gute Freund, mit dem ich unterwegs bin, grinst breit: "Na bei dem Thema seid ihr" - und er meint die katholische Kirche - "ja ganz weit vorne".

Mir geht so einiges durch den Kopf. In meiner Familie und in unserem Freundeskreis leben Menschen offen homosexuell. Meine Kinder, gute Katholiken, kämen nie auf die Idee, das "anders" oder komisch zu finden. Ich bin mir nicht sicher, was ich denken würde, wenn meine Tochter eine Frau heiraten wollte. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat im vergangenen Jahr in seiner Erklärung zu Familie und Kirche die vorbehaltlose Akzeptanz des Zusammenlebens in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine klare Positionierung gegen jede Ausgrenzung und Abwertung homosexueller Menschen gefordert.

In der vergangenen Woche erklärt die Bundesregierung die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsländern für Flüchtlinge, obwohl dort Homosexualität gesetzlich verboten ist. Das sei nur eine "abstrakte Gefahr" für Schwule und Lesben, meint der Bundesinnenminister. Italien erkennt als letztes Land in Westeuropa jetzt gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften rechtlich an. Gegen den Widerstand der katholischen Bischofskonferenz. Dabei hatte Papst Franziskus auf die Frage, ob er Homosexualität billige, entgegnet: "Ich habe mit einer anderen Frage geantwortet. Sag mir: Wenn Gott eine homosexuelle Person sieht, schaut er die Tatsache mit Liebe an oder verurteilt er sie und weist sie zurück?"

Und deshalb meine Antwort auf das breite Grinsen in Amsterdam hier ganz öffentlich und aus Anlass des heutigen Internationalen Tages gegen Homophobie. Wir sind katholisch. Mit manchen Dingen tun wir uns schwer. Wir sind oft langsamer als andere. Und es stimmt: Bei der Frage nach der Gleichberechtigung von Homosexuellen sind wir nicht besonders weit vorne. Aber wir lernen. Redet mit uns, ihr Aktivisten für die Rechte von Schwulen und Lesben. Hängt uns nicht ab in dieser Frage. Der Geist von Pfingsten weht in der Kirche und außerhalb von ihr.

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Dominik Blum

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