Wo die Kirche ihre Mitarbeiter einsetzen sollte

Regina Laudage-Kleeberg über die Personalsituation in den Bistümern

Standpunkt | Bonn - 15.05.2018

Wer ist mehr wert? Eine Pfarreiratsvorsitzende oder ein Patient im Krankenhaus? Eine Pfadfinderin oder ein Häftling im Gefängnis? Eine junge Braut oder ein Passant?

Zugegeben, dieser Vergleich ist zugespitzt. Aber wer auf die heutige Personalsituation in deutschen (Erz-) Bistümern schaut, weiß: Längst wird abgewogen, wo das immer knapper werdende pastorale Personal besser eingesetzt ist. Sollen die Mitarbeitenden lieber in der sogenannten Territorialseelsorge, also in Gemeinden, oder in der Kategorialseelsorge, also in Verbänden, Krankenhäusern oder Gefängnissen, eingesetzt werden? Wo lässt man eher Stellen offen? Wo sind Vakanzen verschmerzbar, wo nicht?

Für manche Gläubigen scheint die Antwort auf diese Frage völlig klar: Pastorale Mitarbeitende gehören in die Pfarrei! Notfalls mit einem kleinen Stellenumfang noch in die Krankenhausseelsorge, aber nicht in alternative Kirchorte, Verbände oder experimentelle Citypastoral.

Zugrunde liegt ein Kirchenbild, das heute nicht mehr passt. Eine aktuelle Studie zum Kirchenaustritt macht deutlich, wie wenige Menschen sich noch in den Pfarreien zu Hause fühlen und wie viele mit diesem kirchlichen Angebot nichts mehr anfangen können. Die Kirche muss also umdenken: Sie muss ihre Ressourcen und vor allem ihr Personal stärker dorthin verteilen, wo sie die Menschen erreichen kann, die den Gemeinden fernbleiben. Gemeindepastoral ist sehr wertvoll, aber die übrigen Kirchenmitglieder und die vielen, die wir noch nicht oder nicht mehr mit unserer Botschaft erreichen, haben genau so viel Aufmerksamkeit verdient wie die schon lange Engagierten!

Das heißt für uns Gläubige: kein Gezeter, wenn der geliebte Pastor aus seinem Einsatz in der Gemeinde in einen Einsatz in einem Verband wechselt, auch wenn dafür nicht oder nicht in vollem Umfang Ersatz "beschafft" wird. Unsere Kirche wird kleiner, das heißt, wir müssen teilen lernen – großzügig und überzeugt davon, dass der Geist Gottes auch da wirkt, wo wir es manchmal nicht vermuten.

Von Regina Laudage-Kleeberg

Die Autorin

Regina Laudage-Kleeberg leitet die Abteilung Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen.

Hinweis

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