Apostel gesucht

Im Sonntagsevangelium findet sich eine Stellenbeschreibung für den Job als Apostel - aber leicht war der nicht. Schwester Charis Doepgen erklärt, warum sich die Jünger dennoch nicht zu fürchten brauchten.

Ausgelegt! | Bonn - 24.06.2017

Impuls von Schwester Charis Doepgen

Das ganze 10. Kapitel bei Matthäus hat es in sich. Da ruft am Anfang Jesus die Zwölf und gibt ihnen Vollmacht für ihren Aposteldienst. Was dann folgt in den Versen 5-42 ist eine nüchterne Stellenbeschreibung für diesen Job bis hin zu dem Punkt, dass dafür natürlich auch ein Lohn festgesetzt ist. Interessant für uns: An diesen Arbeitsbedingungen hat sich bis heute nichts geändert. Wir Christen sind als Jüngerinnen und Jünger Jesu mit dem gleichen Auftrag unterwegs wie die Apostel, um mit unserer ganzen Existenz davon zu künden: Das Himmelreich ist nahe! - Und das war von Anfang an bis heute gefährlich.

Was da zwischen Berufung und Lohn auf die Arbeiter wartet, eignet sich nicht als Werbung. Da ist von Sendung "mitten unter die Wölfe" die Rede, von dramatischen Familienszenen, von Rechenschaft vor Gerichten, von drastischen Strafen. Jesus verschweigt die Konsequenzen nicht, die seine Botschaft hat für alle, die sie annehmen und weitersagen. Mitten in der Aufzählung der Risiken und Nebenwirkungen eines christlichen Lebens – wie aktuell sie sind, zeigen täglich Berichte aus vielen Teilen der Welt – stehen die Verse 26-33 des heutigen Sonntags. In ihnen geht es um Ermutigung. Der Grundtenor ist: Fürchtet euch nicht! Gleich dreimal wiederholt Jesus diesen Appell. Das meint kein lautes "Ansingen" gegen die Angst im Dunklen. Wenn Christen die Furcht überwinden können, dann nur, weil das Vertrauen auf den Vater im Himmel größer ist als die Angst vor den Mächten, die nur den Leib verderben können. Jesu Aussagen sind eindeutig und direkt, wo er von Konsequenzen spricht. Bildhaft wird seine Sprache, wo es um das Mutmachen geht. Genial ist, wie hinter dem Bild der Spatzen, die ja nun wirklich keine Wappentiere sind, und dem menschlich absurden Haarezählen, auf einmal die Größe und Menschlichkeit des Schöpfergottes aufleuchtet. Unser "Mehrwert" bei ihm ist verlässliches Fundament unserer Gottesbeziehung.

Wem die Bilder zu naiv sind, der oder die sollte mal versuchen, den Kern der Aussage nur in Worte zu fassen – das würde länger und blasser. Immer wieder fasziniert die Bildsprache Jesu in ihrer poetischen Qualität und spirituellen Tiefe. Wenn die geflüsterte Botschaft von den Dächern gerufen werden soll, dann spüren die Zuhörer die Dringlichkeit dieser Verkündigung. Die Rufer aber sollen wissen, dass ihr Leben, was auch immer geschieht, durch Jesus "versichert" ist beim himmlischen Vater.

Lassen wir uns dieses "Fürchtet euch nicht!" nicht nur dreimal heute, sondern täglich gesagt sein - angeblich steht es darum 365 Mal in der Bibel.

Von Sr. Charis Doepgen OSB

Evangelium nach Matthäus (Mt 10,26-33)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.

Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

Die Autorin

Schwester Charis Doepgen OSB ist Benediktinerin in der Abtei St. Erentraud in Kellenried bei Ravensburg.

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