Partnerportale:
« »

Moderne

Missionare

Die Teilnehmer der Weltbischofssynode 2012 lauschen einem Vortrag.
© KNA

Bischofssynode | 09.10.2012 - Vatikanstadt

09.10.2012 java.util.GregorianCalendar

Die ersten Missionare mussten immense geografische Entfernungen überwinden, die Missionare der Neuevangelisierung stehen vor nicht weniger großen ideologischen Distanzen. Mit einem Einführungsreferat des Washingtoner Kardinals Donald William Wuerl hat die 13. Ordentliche Weltbischofssynode am Montag ihre Arbeit aufgenommen.

Drei Wochen lang wollen 262 Kardinäle, Patriarchen und Bischöfe aus aller Welt gemeinsam mit 140 Beratern und Beobachtern überlegen, wie die Kirche den durch die Säkularisierung ausgelösten Einbruch insbesondere in der Ersten Welt abfangen kann. Thema des Bischofstreffens: "Die Neue Evangelisierung für die Weiterhabe des christlichen Glaubens".

Das "Peinlichkeits-Syndrom" überwinden

Neuevangelisierung sei kein Programm, sondern eine Art zu denken, zu sehen und zu handeln, sagte Wuerl, Generalrelator der Synode. Als solcher gibt er die Linie der Synode vor und setzt ihre Akzente. Neuevangelisierung sei "eine Art Linse, durch die wir die Möglichkeit sehen, das Evangelium erneut zu verkünden", sagte Wuerl.

Es gehe um eine intellektuelle und emotionale Vertiefung des christlichen Glaubens, und auch darum, neues Vertrauen in die christliche Botschaft zu finden. Diese werde in Schule und Theologie oft verdunkelt. Die Christen müssten ein verbreitetes "Peinlichkeits-Syndrom" überwinden, neues Vertrauen in die "Wahrheit des Glaubens und in die Weisheit des kirchlichen Lehramts" gewinnen und ihren Glauben bereitwilliger mit anderen teilen.

Positive Aufbrüche

Die Analyse des Generalrelators war ernüchternd, allerdings nicht ohne Hoffnungssignale. Wie ein "Tsunami" habe sich der Einfluss der Säkularisierung und des Individualismus in den 1970er und 1980er Jahren über die kulturelle Landschaft ergossen und einen drastischen Einbruch der kirchlichen Praxis ausgelöst. Wichtige Indikatoren einer intakten Gesellschaft wie Ehe, Familie und Gemeinsinn sowie die Unterscheidung zwischen Richtig oder Falsch seien hinweggespült worden.

Als Ursache nannte Wuerl unter anderem eine "mangelhafte oder fehlerhafte Katechese" auf unterschiedlichen Ebenen. Die Säkularisierung habe zwei Generationen von Katholiken geformt, denen die Grundgebete der Kirche nicht mehr geläufig seien, die die Messe und die Sakramente nicht hinreichend schätzten und die das Gespür für Transzendenz verloren hätten. Aber es gebe auch positive Aufbrüche, besonders durch die neuen geistlichen Gemeinschaften, fügte der Kardinal hinzu.

Mut, Kirchenbindung und Freude am Glauben

Die Neuevangelisierung müsse auf zwei Ebenen gleichzeitig ansetzen, so Wuerl: bei der Einführung der Kinder in den Glauben und bei der religiösen Unterweisung ihrer Eltern. Die Familie bleibe der "natürliche und normale Kontext für die Weitergabe des Glaubens und der Werte". Für die Neuevangelisierung seien Mut, Kirchenbindung und Freude am Glauben gefragt, sagte der Kardinal. Werben könne die Kirche mit ihren sozialen Einrichtungen wie Schulen, Universitäten und Krankenhäusern. Diese müssten allerdings erkennbar von einem christlichen Gottes- und Menschenbild geprägt sein.

Die Synode soll nach dem Willen Wuerls deutlich machen, dass Evangelisierung unverzichtbar ist; sie soll deren theologische Grundlagen bedenken und bereits bestehende Initiativen und Formen unterstützen. Zudem müsse sie praktische Vorschläge unterbreiten, wie Neuevangelisierung in den Gemeinden, in der Jugend- und Berufsseelsorge und im gesellschaftlichen Leben gefördert und organisiert werden könne.

Die Tour d'Horizon des Kardinals steckt das Feld ab, das die Synodenväter in den 23 Generalversammlungen und acht Sitzungen in Sprachgruppen während der kommenden Wochen zu beackern haben. Papst Benedikt XVI. hörte dem Referat Wuerls aufmerksam zu, ebenso wie er auch an den anderen Versammlungen nach den Möglichkeiten seines Terminkalenders teilnehmen wird. Wie er selbst die Lage der Kirche sieht, ließ er jedoch nicht verlauten.

Von Johannes Schidelko

Mehr zum Thema

Wenn Sie mehr über die Weltbischofssynode erfahren wollen, wer sich trifft und welche brennenden Themen besprochen werden, dann schauen Sie doch in unser Dossier zum Thema:

© KNA