Wie Aljoscha zu
katholisch.de kam
Engel Aljoscha | 28.09.2012
Aljoscha, Gottes kleiner Lieblingsengel, konnte sich ein mildes Lächeln nicht verkneifen. Angelehnt an eine der offenen Türen beobachtete er – natürlich wie immer unerkannt - wie die Redakteurinnen und Redakteure von katholisch.de im Last-Minute Stress noch letzte Hand an ihre neue Website legten. Alle waren in höchster Spannung, denn in wenigen Tagen sollte die komplett renovierte Seite freigeschaltet werden - ausgerechnet in der Vollversammlung der Bischofskonferenz.
Es ging zu wie in einem Ameisenhaufen. Dabei könnten sie ganz ruhig sein, dachte der kleine Engel, sie haben doch das getan, was ihnen im gesetzten Rahmen möglich war und außerdem kann man sich täglich neu verbessern. Der kleine Engel ahnte im Voraus, welchw verschiedene Kommentare bei den Bischöfen zu erwarten waren und wusste, dass dies auch bei diesem Thema nichts Neues sein würde.
Mal gespannt, sagte Aljoscha im Stillen zu sich, wie viel Rückenwind die Redaktion von dort erhält und er hoffte, dass es ein kräftiger sein würde. Wäre doch schön, wenn sich alle später an einen gelungenen Anfang erinnern würde. Vielleicht würde sogar so eine Art Geburtstagsfest daraus. So was feiern die Menschen doch immer gerne.
Bei diesem Gedanken wurde der kleine Engel nachdenklich. Wie war das denn bei ihm selbst? Wann er "begonnen" hatte, daran konnte sich Aljoscha nicht mehr erinnern. Das ist so bei Engeln. Einen Geburtstag im eigentlichen Sinne haben sie nicht – jedenfalls schweigt sich der Allmächtige darüber aus. "Es reicht, dass ihr da seid und alles müsst ihr auch nicht wissen", pflegte er meist zu antworten, wann immer mal wieder einer der Engel seine Neugier nicht zügeln konnte.
Gute Gedanken Gottes
Aljoscha hatte noch nie nachgefragt. Ihm war es völlig egal, wann der Allmächtige ihn ins Dasein gerufen hatte. Manchmal stellte er sich den Moment wie ein Augenzwinkern Gottes vor - nach einem guten Gedanken - und von denen hatte Gottvater nun wirklich unermesslich viele. "Gute Gedanken und das Augenzwinkern Gottes." Aljoscha besah sich im Spiegel und dachte, dass dies eigentlich ganz gut zu ihm passen würde.
Er dachte an die all' die Theologen und klugen Leute, die seit Jahrhunderten lange über Büchern und jetzt über ihre Notebooks gebeugt in langen Abhandlungen darüber spekulierten, was denn ein Engel sei. "Ein guter Gedanke Gottes ist wirklich keine schlechte Beschreibung für einen Engel", dachte Aljoscha.
Die waren ja immer in Gott da und hatten also keinen Anfang im üblichen Sinne. Und das ein kleines Augenzwinkern hinzu kam, war bei ihm ja nun offensichtlich. Der kleine Engel lächelte spitzbübisch und beschloss der Redaktion der neuen Website an der Seite zu bleiben - mit Ernst und Leichtigkeit. Halt wie ein Engel.
Von Stephan Wahl
(Stephan Wahl ist katholischer Priester im Bistum Trier. Von 1999 bis 2011 war er Sprecher der ARD-Sendung "Das Wort zum Sonntag". Wahl erhielt den bislang einzigen Fernsehpreis für ein Wort zum Sonntag.)
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