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Franz-Josed Bode, Bischof von Osnabrück.
© Christoph Meurer

Interview | 23.10.2012 - Vatikanstadt

23.10.2012 java.util.GregorianCalendar

Im Vatikan beraten gegenwärtig 260 Bischöfe über neue Strategien für die Glaubensverkündigung. Einer von ihnen ist der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode (61). Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) schildert er seine Eindrücke und plädiert für ein vertieftes Gespräch mit Kirchenfernen sowie eine stärkere Einbindung von Laien in Liturgie und Katechese.

Frage: Herr Bischof Bode, die Bischofssynode nähert sich ihrem Ende. Wie lautet ihre vorläufige Bilanz?

Bode: Zunächst mal ist sie für mich eine beeindruckende Erfahrung von Weltkirche und auch ein Nachklang des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Wenn man mit 260 Mitbrüdern aus aller Welt zusammen ist, erfährt man eine Bandbreite von Meinungen, wie sonst selten. Meine Sitznachbarn sind zum Beispiel ein Bischof aus Paraguay und der Bischof von Nowosibirsk in Sibirien. Meine Stellungnahme habe ich zwischen einem Bischof aus Kenia und einem Bischof aus Kambodscha vorgetragen.

Frage: Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Verlauf?

Bode: Anfangs schien der Synode etwas der rote Faden zu fehlen, manche Aussagen zur Säkularisierung wirkten etwas plakativ. Im Verlauf der Sitzungen entstand jedoch ein ausgewogeneres Bild der Gesamtsituation, in der sich die katholische Kirche gegenwärtig befindet. Es wurde deutlich, dass wir differenzierter auf die Fragen der Menschen antworten müssen. In den Redebeiträgen wurden nicht nur negative, sondern auch positive Aspekte der heutigen Kultur benannt. Das hat mich ermutigt und bestärkt.

Frage: Wie steht die katholische Kirche in Deutschland beim Thema Neuevangelisierung im internationalen Vergleich da?

Bode: Ich habe den Eindruck, dass wir einen guten Stand haben. Wir sind hier vielfach positiv auf den Bericht der deutschen Sprachgruppe angesprochen worden. Ihr gehören außer Bischöfen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz etwa auch Bischöfe aus Polen, Russland und Serbien an. Beeindruckt hat offenbar, dass wir strukturiert an die Sache herangehen, konkrete Themen ansprechen und immer wieder versuchen, auch die positiven Aspekte der gegenwärtigen Kultur zu würdigen.

Frage: Haben Sie auch konkrete Anregungen erhalten?

Bode: Mich bewegt die Frage, wie ich eigentlich ins Gespräch komme mit Menschen, die den Glauben infragestellen, die noch gar nicht zum Glauben gefunden haben oder die aus der Kirche austreten. Während der Synode ist mir noch mal bewusst geworden, wie wichtig es ist, den unmittelbaren Kontakt mit dieser Gruppe zu verstärken. In Osnabrück haben wir ein Forum, wo sich Leute einfinden, die Fragen zur Kirche haben. In Bremen haben wir ein Atrium für Menschen, die aus der Kirche austreten. Ich überlege, ob ich nicht mehr Zeit in diesen beiden Einrichtungen verbringen sollte. Gute Erfahrungen habe ich in diesem Zusammenhang auch mit Beichtgesprächen vor den hohen kirchlichen Feiertagen im Dom von Osnabrück gemacht.

Frage: Die Synode hat die zentrale Bedeutung der Pfarrgemeinde für die Glaubensverkündigung herausgestellt. In Deutschland verschwindet sie immer mehr zugunsten von großräumigen Seelsorgeeinheiten. Wie passt das zusammen?

Bode: Es wurden zwei Orte als Kristallisationspunkte der Neuevangelisierung sehr stark hervorgehoben: die Pfarrei und die Familie. Mit Pfarrei ist allerdings nicht nur die klassische Pfarrei gemeint, sondern auch die große Seelsorgeeinheit, in der es verschiedene kleine christliche Gemeinschaften gibt. In einer solchen Gemeinde ist die Pfarrkirche und der Gottesdienstbesuch nicht der einzige Ort der Erfahrung. Auch Bildung, Caritas, Klöster und etwa Bibelkreise spielen eine wichtige Rolle. Ein solches Netzwerk von verschiedenen Knotenpunkten ist mit Pfarrei gemeint.

Frage: Sie haben sich auf der Synode für eine größere Rolle der Laien in der Kirche ausgesprochen. Was heißt das?

Bode: Laien sind unerlässlich für die Evangelisierung. In großen Seelsorgeeinheiten, in denen keine Priester oder andere hauptamtliche kirchliche Mitarbeiter vor Ort sein können, muss es möglich sein, Laien für Katechese, Liturgie und Diakonie Verantwortung zu übertragen. Dazu bedarf es einer kirchlichen Beauftragung. Das wird oft als eine Klerikalisierung der Laien angesehen, so ist es jedoch nicht gemeint, sondern als eine Wertschätzung und tiefere Einbindung in die kirchliche Sendung, unbeschadet des Dienstes des geweihten Amtes.

Frage: Und die Familie?

Bode: Familie besteht heute in der Realität oft nicht mehr nur aus Eheleuten und Kindern. Wir müssen daher auch gescheiterte Beziehungen, Patchwork-Familien oder Alleinerziehende verstärkt als Orte der Glaubensvermittlung in den Blick nehmen. Freilich bleibt dabei die Stütze und Förderung des verlässlichen Lebensraumes Ehe und Familie unsere wichtigste Aufgabe in diesem Bereich.

Das Interview führte Thomas Jansen

© KNA