Partnerportale:
« »

"Multikulturell,

lebhaft,

einzigartig"

Blick auf die neuseeländische Hauptstadt Wellington. Im Vordergrund führt eine Straßenbahn

Frankfurter Buchmesse | 09.10.2012 - Frankfurt/Neuseeland

09.10.2012 java.util.GregorianCalendar

Rund 18.500 Kilometer Luftlinie vom Buchmessen-Forum, der Ausstellungshalle Neuseelands, ist sie entfernt: Wellington, Hauptstadt des diesjährigen Ehrengastes. Mehr als 60 neuseeländische Autoren werden auf der weltgrößten Bücherschau lesen und diskutieren. Anlässlich der Buchmesse sind 2012 mehr als 80 Bücher aus Neuseeland in deutscher Sprache erschienen – in anderen Jahren sind es selten mehr als zehn.

Die belletristische Produktion ist zwar überschaubar, trotzdem gibt es viel zu entdecken: Schließlich vereint Neuseeland die europäisch-angelsächsische Erzähltradition mit jener der Maori, zu der neben der mündlichen und schriftlichen Überlieferung auch Gesänge, Tänze und Tätowierungen zählen.

Katholiken stellen nach den Anglikanern die größte Gemeinde in Neuseeland. Für katholisch.de Grund genug, einmal das Kirchenleben im diesjährigen Gastland zu beleuchten: Wainuiomata ist ein Vorort von Lower Hutt City, rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Wellingen entfernt. Dort predigt Elmer Ibarra von den Steyler Missionaren. "Multikulturell, lebhaft, einzigartig". So beschreibt der vor 37 Jahren in Manila geborene und auf den Philippinen aufgewachsene Missionar seine Gemeinde: die St.-Patrick's-Parish.

Gemeinde des Heiligen Patrick

Der Heilige Patrick, der als erster christlicher Missionar in Irland gilt, ist der Namensgeber der rund 2.000 Mitglieder großen katholischen Gemeinde. Jedes Jahr finden sich zu dessen Todestag am 17. März viele Menschen zusammen, um den St.-Patrick's-Day zu feiern, gemeinsam zu beten und zu singen. Doch auch landesspezifische Traditionen spielen für die Katholiken in Neuseeland eine große Rolle. So der Anzac-Day, Nationalfeiertag in Australien, Neuseeland und dem südpazifischen Inselstaat Tonga: "Anzac" steht für die "Australian and New Zealand Army Corps", Truppen, die während des 1. Weltkriegs für das Vereinigte Königreich in Europa kämpften. Jedes Jahr am 25. April erinnert die Gemeinde an die bei der Schlacht auf der türkischen Halbinsel Gallipoli gefallenen Soldaten.

Es sind vor allem aber kulturelle Kirchenfeste, die das Leben der Gläubigen in der 16.000-Einwohner-Stadt prägen. In der Sprache der Maori bedeutet Wainuiomata "Großes Wasser des Mata" und bezeichnet damit den Fluss, der die Stadt durchquert. "Hier leben neben Neuseeland-Europäern Samoaner, Maori, Tongaer, Südafrikaner und Niederländer", zählt Ibarra auf, "aber auch Menschen, die von den Fidschi-Inseln, den Philippinen, aus Simbabwe oder Singapur kommen." Entsprechend vielfältig und bunt sind die Gottesdienste gestaltet. "Über die Frühmesse am Sonntag weht immer ein Hauch Samoa", erzählt Ibarra. Denn dann singt und musiziert die samoanische Gemeinschaft. Jeden vierten Sonntag hingegen lauscht die Gemeinde den Liedern und Musikstücken der philippinischen Gemeinschaft. Ein fester Bestandteil des Kirchenjahres ist die große multikulturelle Messe: Im Oktober gestalten alle kulturellen Gemeinschaften Wainuiomatas gemeinsam einen farbenfrohen Gottesdienst.

Priester aus Berufung

"Dieses multikulturelle Miteinander auf engem Raum ist einzigartig", so Ibarra. Vor fünf Jahren kam er von den Philippinen nach Neuseeland. In Manila, begann er nach der Schulzeit eine Ausbildung als Krankenpfleger. "Doch dann habe ich gespürt, dass ich dazu berufen bin, Priester zu werden", erinnert sich Ibarra. Er trat in das "Christ the King Seminary" der Steyler Missionare in Quezon City, der größten Stadt der Philippinen, ein – das war 1999. Nach seiner Priesterweihe zog es Ibarra in die Ferne. "Ich wollte mein vertrautes Umfeld verlassen", beschreibt der Missionar seine Motivation, "mein Wunsch war, meinen Horizont zu erweitern." In Wainuiomata arbeitete Ibarra zunächst als Assistenzpriester, bis er Gemeindevorsitzender wurde.

"Was mir an Wainuiomata neben den vielen Kulturen gefällt, ist die besondere Lage des Ortes", sagt Ibarra. Die Abgeschiedenheit sei eine Herausforderung. Eine einzige Straße, die in den Vorort herein und wieder herausführt, verbindet das Tal mit der Außenwelt. Der Rest: Outback, Hügel, Nationalparks. Schließlich die weite Küste, das blaue Meer. Die Infrastruktur ist kaum ausgebaut: ein paar Geschäfte und die Grundschule St.-Claudine-Thevenet-Primary-School. "Für die Ausbildung und zum Arbeiten müssen die Menschen nach Lower Hutt City oder Wellington fahren", erläutert Ibarra. Doch er sieht auch die Vorteile der besonderen Situation von Wainuiomata. "Ich kenne die Menschen persönlich", schildert Ibarra seine Beziehung zu den Gemeindemitgliedern, "ch sehe sie nicht nur während der Gottesdienste, sondern besuche sie regelmäßig zu Hause." Eine große Chance, findet der Missionar, am Leben der Menschen teilzunehmen: "So kann ich den Einzelnen auf seiner spirituellen Reise begleiten – mit all den inneren Kämpfen und Herausforderungen."

Bekannte Probleme

Dazu gehören auch Krankenbesuche in Altenheimen oder Hospizen. Doch auch die jungen Gemeindemitglieder trifft Ibarra regelmäßig. "Jeden Mittwoch bin ich zu Gast in der Grundschule von Wainuiomata", berichtet er. Die Freitage gehören den etwas älteren Schülern des St.-Bernards-College in Lower Hutt City.

In den Jugendlichen sieht Ibarra die Zukunft seiner Gemeinde. "In unserer Kirche sind viele ältere Menschen aktiv", weiß der Priester, "ich wünsche mir, auch die Kinder und jungen Menschen stärker anzusprechen und ins Gemeindeleben zu integrieren." Dies sei die Voraussetzung für eine lebendige und dynamische Kirche. Ein Anliegen, das auch bei 18.500 Kilometern Entfernung nah und vertraut erscheint.

Von Vanessa Renner (mit kna)

Neuseeland

Neuseeland besteht aus den zwei Hauptinseln sowie Stewart Island und zahlreichen kleineren Inseln. Das Gesamte Territorium umfasst etwa 270.500 Quadratkilometer. In Neuseeland leben ungefähr vier Millionen Menschen. Landessprachen sind Englisch und Maori. Mit rund 508.000 (13 Prozent) getauften Katholiken ist die katholische Gemeinde nach den Anglikanern (14 Prozent) die zweitgrößte in Neuseeland. Die Erzdiözese liegt in Wellington, Suffraganbistümer in Auckland, Hamilton, Palmerston North, Christchurch und Dunedin. Während die Zahl der Katholiken in den vergangenen Jahren, hauptsächlich durch Einwanderer aus Asien, leicht angestiegen ist, ist die Zahl der Priester im Rückgang – sind es circa 530 Priester. (vre)

© katholisch.de