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Müller: Pogromstimmung gegen Kirche

Vatikan | 02.02.2013 – Berlin

Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, sieht eine "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche entstehen. "Gezielte Diskreditierungs-Kampagnen gegen die katholische Kirche in Nordamerika und auch bei uns in Europa haben erreicht, dass Geistliche in manchen Bereichen schon jetzt ganz öffentlich angepöbelt werden. Hier wächst eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert", sagte Müller am Freitag der online-Ausgabe der "Welt".

In Blogs und "auch im Fernsehen", so der frühere Regensburger Bischof weiter, würden "Attacken gegen die katholische Kirche geritten, deren Rüstzeug zurückgeht auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum". Benedikt XVI. hatte Müller im vergangenen Juli an die Spitze der Glaubenskongregation berufen. Sie hat die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und schützen.

Kritik am Dialogprozess

Zugleich kritisierte Müller den innerkirchlichen Dialogprozess, wie er derzeit in Deutschland geführt wird: "Dialogprozess ist gut. Aber man muss auch über das Wesentliche reden und nicht die gleichen Probleme immer wieder neu auftischen", sagte der Erzbischof laut Zeitung. Als Beispiel nannte Müller "die Forderung nach einem sakramentalen Weiheamt für die Frau. Es ist nicht möglich. Nicht weil die Frauen weniger wert wären, sondern weil es in der Natur des Weihesakramentes liegt, dass Christus in ihm repräsentiert wird als Bräutigam im Verhältnis zur Braut".

Eine klare Absage erteilte der Erzbischof auch gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Sie seien für die katholische Kirche nicht möglich; sie dürften auch grundsätzlich in keiner Weise mit den Ehen gleichgestellt werden. Genauso verteidigte Müller den Pflichtzölibat für Priester: Er entspreche "dem Beispiel und Wort Jesu und hat in der geistlichen Erfahrung der lateinischen Kirche eine besondere Ausprägung gefunden". Die Ehelosigkeit sei "um des Himmelreiches im Evangelium grundgelegt."

Ultimatum an Piusbrüder

Einen Reformstau in der katholischen Kirche sieht Müller nur insofern, als "man die wesentlichen Themen nicht anpackt: die Teilhabe an den Sakramenten, die Kenntnis des Glaubens". Das Wort Reform dürfe "nicht beschlagnahmt werden, um die eigentliche Erneuerung in Christus zu bremsen".

Mit Blick auf die Auseinandersetzungen der Kurie mit den Piusbrüdern sagt Müller, dass die Geduld des Vatikan mit den Traditionalisten nicht endlos sei: "Die Glaubenskongregation hat der Priesterbruderschaft die Dogmatische Präambel vorgelegt. Daraufhin ist bis jetzt keine Antwort erfolgt. Wir warten aber nicht endlos." (KNA)

© KNA