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O Tannenbaum…

Weihnachtsbaum im kaminwarmen Wohnzimmer
© Ernest Prim/Fotolia.com

Brauchtum - Bonn

Es gibt sie in riesengroß und winzig, bunt behangen und einfach geschmückt. Kein Weihnachten ohne Weihnachtsbaum. Doch nicht nur im Christentum, auch in vielen anderen Kulturen haben Bäume eine symbolische Bedeutung und stehen für das Leben. Daher kann man auch kein bestimmtes Datum für die "Erfindung des Weihnachtsbaumes" festlegen. Sicher ist, dass es bereits im Mittelalter einen Vorläufer des heute so beliebten Weihnachtssymbols gab.

Der Ursprung des Christbaumes ist in den mittelalterlichen Paradiesspielen zu finden. Diese wurden Jahr für Jahr zu Weihnachten vor dem weihnachtlichen Krippenspiel aufgeführt, um den Zusammenhang zwischen dem Sündenfall und der Erlösung durch die Geburt Christi zu verdeutlichen. Zu diesen Spielen gehörte ein so genannter "Paradiesbaum", von dem während des Spiels ein Apfel gepflückt wurde.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts verbreiteten sich die Bäume, losgelöst vom eigentlichen Spiel, außerhalb der Kirche, zunächst in der protestantisch geprägten Region um Straßburg. Nach Angaben des Theologen und Brauchtumsexperten Manfred Becker-Huberti ist für 1605 der erste Christbaum in Straßburg belegt, allerdings noch ohne Kerzen.

30.000 Lichter: Der Weihnachtsbaum am Rockefeller Center in New York.

Bildquelle: picture alliance / landov

Den Zorn erregt

Nicht allen allerdings gefiel diese neue Sitte. Wie Becker-Huberti weiter berichtet, polterte der Straßburger Pastor Johann Konrad Dannhauer in einem 1642 erschienenen Werk heftig gegen die Pflanze. "Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begeht, ist auch der Weihnachts- und Tannenbaum", zitiert Becker-Huberti den Pfarrer nach einer Chronik und weiter: "Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht. Es ist ein Kinderspiel…"

Aufhalten konnte der erzürnte Geistliche den Siegeszug des Baumes aber nicht. Nach und nach hielt er zur Weihnachtszeit bei vielen Familien Einzug in die gute Stube, beginnend bei Handwerkern und Adel, später dann auch in ärmeren Schichten. Und das auch international. Laut Becker-Huberti ist für 1748 der erste Weihnachtsbaum in Amerika belegt.

Lange Zeit blieb der Christbaum ein evangelischer Brauch, da er als konfessionelles Gegensymbol zur katholischen Krippe verstanden wurde. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gehörte er dann auch zum weihnachtlichen Bild katholischer Wohnzimmer und hatte damit die Krippe aus dem Mittelpunkt verdrängt. So wurde der Christbaum im Laufe der Jahrhunderte zum bekanntesten Weihnachtssymbol weltweit.

Auch der Petersplatz in Rom hat seinen Weihnachtsbaum.

Bildquelle: katholisch.de

Petersplatz und Rockefeller Center

Zu den bekanntesten Weihnachtsbäumen gehören die Exemplare auf dem Petersplatz in Rom und vor dem Rockefeller Center in New York mit seinen 30.000 Lichtern. Wenn es um Rekorde geht, kommt auch immer die Stadt Dortmund ins Spiel. Seit 1996 steht auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt jedes Jahr ein 45 Meter hoher Baum, den die Betreiber als größten Weihnachtsbaum der Welt bezeichnen. Im Guinnessbuch der Rekorde ist hingegen ein brasilianischer Baum aus dem Jahr 2001 als "größter künstlicher Weihnachtsbaum" ausgezeichnet.

Definitiv spitze ist die Stadt im Ruhrgebiet, wenn es um den kleinsten Weihnachtsbaum geht. Nur 14 Millimeter misst der Winzling. Damit ist er zwar nicht einmal so hoch wie ein Euro-Stück, nichtsdestotrotz von seinen Konstrukteuren mit Lichterkette, Kugeln und Lametta verziert.

Von Christoph Meurer

© katholisch.de (eingestellt am 7. Dezember 2012)