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Hilfe beim Gesundwerden

Ein Krankenhausseelsorger erzählt, wie gut Patienten das Sakrament der Krankensalbung tun kann. Es gebe ihnen Halt in einer schweren Zeit.

Krankensalbung | Wuppertal - 06.01.2015

Schwere Erkrankungen erschüttern einen Menschen oft bis in den Grund seiner Seele. Viele suchen (wieder) verstärkt Halt in ihrem Glauben. Ein segensreiches Angebot der katholischen Kirche ist das Sakrament der Krankensalbung. Ein Krankenhausseelsorger erzählt von seinen Erfahrungen.

Zahlreiche voneinander unabhängige Studien kommen zu einem einschlägigen Ergebnis: Gläubige Kranke erholen sich nach Operationen schneller als nichtgläubige Mit-Patienten. Und: Menschen, die regelmäßig beten und meditieren, verfügen über ein stabileres Immunsystem. Sie werden seltener krank – und wenn doch, überstehen sie die Krankheit besser. Gläubige legen ihre Sorgen und Ängste in die Hand Gottes und vertrauen auf seine Hilfe.

Und sie fühlen sich in besonderer Weise gestärkt durch das Sakrament der Krankensalbung. "Die Patienten spüren eine Nähe zu Jesus Christus, die sie vorher so noch nicht erlebt haben", sagt Pfarrer Bernhard Uedelhoven, leitender Krankenhausseelsorger von Wuppertal und Umgebung. Zu seinem Tätigkeitsbereich gehören neun Kliniken, ein Hospiz sowie eine onkologische Reha-Klinik. Pfarrer Uedelhoven betreut ein Team von 14 Mitarbeiter(inne)n, Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferent(inn)en. Oft hat sich der erfahrene Seelsorger von der wohltuenden Wirkung des Sakraments überzeugen können: "Viele Kranke wirken anschließend gelöster und entspannter."

Jesus Christus ist zugegen

Aber oft muss er auch mit Missverständnissen aufräumen. "Das eigentliche Sterbesakrament war schon immer und ist auch heute noch der Empfang der heiligen Kommunion", sagt er. "Es gibt Kraft für den Übergang vom Leben zum Tod. Oft ist damit auch noch eine persönliche Beichte verbunden. Deshalb ist es wichtig, dass rechtzeitig ein Priester gerufen wird, damit beides – Kommunion und Beichte – noch möglich ist. Das Sakrament der Krankensalbung hingegen soll den Menschen stärken, ihm beim Gesundwerden helfen oder ihn fähig machen, Unabänderliches anzunehmen und auszuhalten." Pfarrer Uedelhoven fasst in Worte, was Jesus Christus durch dieses Sakrament sagen möchte: "Du bist nicht allein. Ich bin bei dir und begleite dich. Und wenn du nicht mehr weiter kannst, richte ich dich auf. Und wenn du nicht mehr zurückgehen möchtest, komme ich dir entgegen."

Bei vielen Gesprächen lernt der Krankenhausseelsorger die Patienten immer besser kennen. Es entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis. Das macht vieles leichter, die Menschen offenbaren ihm ihre Ängste und Sorgen. Ganz klar, dass irgendwann auch mal das Thema Krankensalbung angesprochen wird – zuweilen auch von Angehörigen der Patienten. "Nicht alle stehen der Kirche nah, aber sie spüren dennoch, dass ihr kranker Angehöriger Beistand braucht", sagt Uedelhoven. Besonders freut ihn, wenn Angehörige bei der Krankensalbung dabei sind, mitbeten und die Feier mitgestalten. Auch gemeinschaftliche Eucharistiefeiern mit Krankensalbungen bietet der Krankenhausseelsorger an.

Eine Pflegerin steichelt einem bettlägrigen alten Mann über den Kopf.
Eine Pflegerin kümmert sich liebevoll um einen alten Mann.
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Auch Bewusstlose bekommen noch viel mit

"Offene Angebote sind gut und helfen, die letzten Vorbehalte gegen dieses Sakrament auszuräumen", meint er. Denn immer noch spukt in vielen Köpfen die Krankensalbung als "letzte Ölung" herum, als Sterbesakrament. Angehörige fürchten, der Patient könnte meinen, dass sie die Hoffnung aufgegeben haben. Solche Ängste auszuräumen, ist für Pfarrer Uedelhoven Bestandteil seiner Krankenhausseelsorge. Und er freut sich jedes Mal, wenn er Kranke und deren Angehörige beruhigen kann. "Die Krankensalbung ist wie die Taufe ein Sakrament, das mich in die Nähe Gottes versetzt, das mir ein Stück Hilfe und Halt ist", erklärt er.

Viele staunen auch, wenn sie hören: Die Krankensalbung kann öfter gespendet werden, etwa vor einer Operation, bei älteren Menschen, die unter gesundheitlichen Problemen leiden, bei seelischen Erkrankungen wie Depressionen. "Es ist ein Sakrament der Lebenden", sagt der Seelsorger. "Deshalb kann die Krankensalbung nicht mehr gespendet werden, wenn der Patient bereits verstorben ist – wohl aber bei Kranken, die das Bewusstsein verloren haben. Unser Glaube geht nämlich davon aus, dass Gott einen Menschen auch dann noch erreichen kann, wenn er für uns schon nicht mehr erreichbar ist. Ich selber habe schon sehr oft die Erfahrung gemacht, dass komatöse Patienten, von denen der Arzt sagte 'Die bekommen doch nichts mehr mit…', auf die Krankensalbung reagierten. Dies löste immer ein Erstaunen bei Ärzten oder Pflegern aus."

Von Margret Nußbaum

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