Taufe

Jetzt schon taufen?

Die Entscheidung über den Taufzeitpunkt

Bonn - 01.08.2013

Ein Baby ist geboren. Voller Dankbarkeit und Ehrfurcht vor diesem Geschenk Gottes stehen die Eltern an der Wiege. Der Gedanke, dass Gott seine schützende Hand über ihr Kind hält, tut ihnen gut. Für viele steht fest: Unser Mädchen oder unser Junge wird getauft. Aber auch für Eltern, die nicht sicher sind, gibt es Lösungen.

Wenn beide Eltern der katholischen Kirche angehören, lassen sie ihr Kind in der Regel taufen. Das Gleiche gilt, wenn nur ein Elternteil katholisch ist. Auf vier Geburten mit wenigstens einem katholischen Elternteil kommen jährlich nahezu drei katholische Taufen. Diese Zahl ist seit fast drei Jahrzehnten stabil, hat das Statistische Bundesamt festgestellt. Die meisten Taufen finden innerhalb des ersten Lebensjahres statt. Eltern möchten, dass ihr Kind nicht nur im Familienkreis, sondern auch in der Gemeinschaft der Christen seinen Platz findet. Manche warten aber auch erst mal ab.

"Viele Eltern haben Fragen zum Glauben und wollen sie zunächst klären, bevor sie ihr Kind zur Taufe bringen", sagt Claudia Hofrichter, Referentin für Katechese am Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart. "Möglicherweise haben sie Vorbehalte gegen die Kirche. Oder sie möchten ihrem Kind im Blick auf die eigene Zukunft mehr Entscheidungsspielraum lassen." Aber mit der Entscheidung für die Taufe üben Eltern keinen Druck auf ihr Kind aus. Mit 14 Jahren ist es nämlich religionsmündig und darf selber entscheiden, ob und welcher Religion es angehören möchte.

Ein neuer Taufritus

Manchmal befinden Eltern sich aber auch in einem Zwiespalt. Einerseits möchten sie ihr Kind taufen lassen. Andererseits brauchen sie selber noch mehr Klarheit und Sicherheit. Solchen Eltern kommt eine neue Form der Kindertaufe entgegen. Sie besteht aus zwei Stufen: "Feier zur Eröffnung des Weges zur Taufe" und "Feier der Taufe". "Bei dem neuen Taufritus begeben Eltern sich gemeinsam mit anderen Eltern auf einen Weg, der mit einer gemeinsamen Feier beginnt und schließlich zur Taufe der Kinder führt", erklärt Hofrichter.

In der Feier zur Eröffnung des Weges zur Taufe danken die Eltern Gott für die Geburt ihres Kindes. Die Kleinen werden in der Gemeinschaft willkommen geheißen, der Pfarrer zeichnet ihnen ein Kreuz auf die Stirn, salbt sie mit Katechumenenöl und segnet sie. Bestandteile dieser Feier sind darüber hinaus – wie bei der Tauffeier - Schriftlesung, Predigt, Gebete, Lieder, die Anrufung der Heiligen und Fürbitten.

In der darauf folgenden Zeit haben Eltern die Möglichkeit, sich in einer Gruppe gemeinsam mit anderen Eltern über ihren Glauben auszutauschen. Haben sie dabei genug Sicherheit gewonnen, feiern sie die Taufe ihrer Kinder. Dieser längere Weg zur Taufe ähnelt dem des Katechumenats, dem Vorbereitungsweg auf die Erwachsenentaufe.

Eine Mutter mit ihrem Baby.
Eine Mutter mit ihrem Baby.  AndiPu/Fotolia.com

Kirche vermittelt Werte

Bei der Taufe stellen die Eltern ihr Kind unter den Schutz Gottes. "Es wird dabei zum Ausdruck gebracht, dass sich Gott, der Urheber allen Lebens, selbst um dieses Leben kümmert", erklärt Claudia Hofrichter. Das ist für Eltern entlastend. Denn sie stehen mit ihrer Verantwortung für diesen kleinen Menschen nicht mehr allein da. Wichtig: Die Vorstellung, dass ungetaufte Kinder nicht von Gott angenommen werden, passt nicht mehr zu unserem heutigen Gottesbild. Mit der Taufe wird das Kind aber in die Kirche aufgenommen. Die Gemeinschaft der Glaubenden vermittelt Geborgenheit und Werte und bietet somit eine gute Orientierungshilfe fürs Leben. Dies ist eine Kraftquelle, die nie versiegt und aus der ein Mensch sein Leben lang schöpfen kann. Eltern und Paten gehen mit der Taufe des Kindes eine ganz besondere Verpflichtung ein. Sie sollen dem Kind christliche Werte vermitteln, die es innerlich stark machen gegen schädliche Einflüsse von außen.

Bei Unsicherheiten, ob Eltern ihr Kind im Babyalter oder später taufen lassen möchten, sollte der Rat des zuständigen Pfarrers eingeholt werden. Dies gilt auch für Eltern, die (noch) keiner Konfession angehören. Manchmal möchten Eltern ihr Kind taufen lassen, obwohl sie selber aus der Kirche ausgetreten sind. Der Pfarrer wird dann mit ihnen sprechen und entscheiden, ob er das Kind jetzt schon tauft oder die Feier aufschiebt. Ganz ablehnen darf er die Taufe nicht, denn jedes Kind hat ein Recht auf dieses Sakrament.

Bücher zum Thema

Claudia Hofrichter, Matthias Ball: Wir möchten, dass unser Kind getauft wird. Die Taufe verstehen und feiern. Elternbuch, 6,99 Euro, Kösel Verlag. Claudia Hofrichter: Wir möchten, dass unser Kind getauft wird. Eine Handreichung für Taufgespräche in Elterngruppen, mit Kopiervorlagen-CD, 24,99 Euro, Kösel Verlag.

Von Margret Nußbaum

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