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Mit Gott durch dick und dünn

Wie können junge Menschen durch die Firmung stark gemacht werden für ihr späteres Leben? Ein Interview mit Kardinal Rainer Maria Woelki.

Firmung | Berlin - 06.01.2015

Was bewirkt die Firmung bei jungen Menschen? Wie können sie stark gemacht werden für ihr Leben im Glauben und im Alltag? Über diese Fragen und warum die Firmlinge wie Könige gesalbt werden, sprach katholisch.de mit Kardinal Rainer Maria Woelki. Er hat schon vielen Jugendlichen das Sakrament gespendet.

Frage: Herr Kardinal Woelki, zwischen Erstkommunion und Firmung gibt es oft ein Vakuum im religiösen Leben junger Menschen. Was müsste – von Seiten der Eltern, aber auch der Pfarrgemeinden – getan werden, um diese Leere zu füllen?

Woelki: In der Zeit zwischen Erstkommunion und Firmung tut sich sehr viel in der Entwicklung von jungen Menschen. Ihr Verhältnis zu den Eltern, zur Schule, auch zu ihrem eigenen Körper verändert sich grundlegend. Das gilt natürlich auch für ihren Glauben und ihre Beziehung zur Kirche. So wie die Eltern müssen wir auch in unseren Pfarrgemeinden den jungen Menschen deutlich machen, dass sie willkommen sind, dass wir weiterhin für sie da sind, auch wenn das Erwachsenwerden nicht ohne Konflikte vor sich geht.

Frage: Jugendliche fragen sich zuweilen, was ihnen das Sakrament der Firmung bringt. Wie würden Sie antworten, wenn Ihnen ein junger Mensch diese Frage stellt?

Woelki: Firmung ist die Vollendung der Taufe. Gott spricht erneut sein "Ja" zu mir, und ich darf es zu Gott sagen. Gott schenkt sich mir im Sakrament der Firmung in seinem Heiligen Geist, so dass er mit mir durchs Leben geht, durch dick und dünn. Wenn das nichts ist! Besonders wichtig ist mir dabei die Vorbereitung auf die Firmung, die fast ein Jahr dauert. Das bringt in jedem Fall etwas: eine Versicherung im Glauben, eine Auseinandersetzung mit dem, was mich umgibt, und eine Bewusstwerdung, wohin es gehen soll.

Frage: Was geben Sie jungen Menschen bei ihrer Firmung gern mit auf den Weg? Worüber sprechen Sie zum Beispiel in Ihrer Predigt?

Woelki: Der Heilige Geist, der uns im Sakrament der Firmung geschenkt wird, will uns helfen, als Freunde Gottes und Zeugen des Evangeliums in unserer Welt zu leben. Getauft und gefirmt zu sein, bedeutet immer auch, in der Gegenwart Gottes zu leben und sie im Alltag durch Wort und Beispiel zu bezeugen. Ich versuche zu einem authentisch gelebten Christsein zu ermutigen, weil mich ein am Evangelium Jesu Christi ausgerichtetes Leben froh und glücklich machen kann, weil es mir Halt und Orientierung in allen Lebenslagen gibt und eine Hoffnung und ein Glück über meine kleine irdisch begrenzte Existenz hinaus schenkt.

Frage: Jeder Mensch hat eine Sendung. Wie kann das Bewusstsein junger Menschen für ihre Lebensaufgabe als gefirmte Christen geschärft werden?

Woelki: Bei der Firmung feiern wir das, was an Pfingsten den Jüngern widerfahren ist: Sie haben ihre Angst abgelegt und sich zu Christus bekannt, weil Gottes Geist über sie kam. Gott hat uns seinen Geist geschickt, das ist es, was in der Firmung passiert. Wir müssen nicht alles aus uns selbst heraus schaffen, Gottes Geist stärkt uns, er leitet uns, und er hilft jedem einzelnen von uns, unsere Aufgabe, unseren Platz im Leben zu finden, als frohe und überzeugte Boten Christi zu leben.

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki mit Schal.
Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki beim Katholikentag in Mannheim.
 KNA

Frage: Früher war der Backenstreich üblich. Welche Riten verwenden Sie heute bei der Firmung? Und was soll damit zum Ausdruck gebracht werden?

Woelki: Da ist sicher zunächst die Handauflegung zu nennen. Wenn ich auf etwas die Hand lege, bringe ich damit zum Ausdruck: Das gehört mir. Die Handauflegung ist ein Zeichen der Mitteilung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wohnt jetzt in mir und will mein Denken, Sprechen, Wollen und Handeln inspirieren. Er will es abstimmen mit dem Denken, Handeln, Wollen und Sprechen Jesu. Die Handauflegung bringt zum Ausdruck, dass ich mit meinem Leben zu Jesus, zu Gott gehöre. Und dann ist da natürlich noch die Salbung mit dem Heiligen Öl, dem Chrisam. Zur Zeit der Bibel wurde nicht irgendwer gesalbt. Gesalbt wurden Könige, Priester und Propheten. Wer gesalbt wurde, war etwas Besonderes. Auch ein Christ ist etwas Besonderes. Er ist gesalbt und gehört zu Jesus Christus.

Frage: Wie können junge Menschen heute aus der Kraft des Heiligen Geistes leben? Welchen Herausforderungen müssen sie sich gerade in unserer Zeit stellen?

Woelki: Ich glaube, es geht immer um die eine Frage: Wagen wir es, auf Gottes Geist zu vertrauen? Die eigentliche Botschaft von Pfingsten, die eigentliche Botschaft der Firmung lautet: Habt keine Angst! Es gibt einen, der bei euch ist, der euch begleitet und auf den ihr euch verlassen könnt! Wenn das junge Menschen von ihrer Firmung mitnehmen, ist mir um die Herausforderungen unserer Zeit nicht bang.

Frage: Wie erleben Sie persönlich die Begegnung mit Firmlingen? Welche Fragen bewegen die jungen Menschen heute?

Woelki: Ich finde die Begegnungen mit Firmlingen immer zu kurz. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit für ihre Fragen. Ich darf mir daher auch nicht einbilden, die jungen Menschen würden mir in der kurzen Zeit ihr Herz ausschütten. Gerade im Erzbistum Berlin fällt mir aber auf, wie wichtig herausgehobene Feiern wie die Firmung sind. Sie dienen der Versicherung und der Ermutigung, weil es in ihrem Umfeld nicht mehr selbstverständlich ist, sich zu seinem Glauben zu bekennen. Manche sind die Einzigen aus ihrer ganzen Klasse, die sich firmen lassen. Das ist ein Glaubenszeugnis, das auch Mut erfordert.

Das Interview führte Margret Nußbaum

Von Margret Nußbaum

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