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Büchereien

Zwei Bewegungen trafen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammen: die Public-Library-Bewegung aus England und ein erstarkendes Selbstbewusstsein der deutschen Katholiken und der katholischen Verbände. Letztere beabsichtigten, den Mitgliedern der Kirche mehr in den Bereichen Bildung, Betreuung und Information anzubieten.

Kirche und Medien | Kevelaer - 06.01.2015

Zwei Bewegungen trafen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammen: die Public-Library-Bewegung aus England und ein erstarkendes Selbstbewusstsein der deutschen Katholiken und der katholischen Verbände. Letztere beabsichtigten, den Mitgliedern der Kirche mehr in den Bereichen Bildung, Betreuung und Information anzubieten.

Auf Initiative von katholischen Kommunalpolitikern, Theologen im Rheinland und Zentrumspolitikern wurde in der damals preußischen Rheinprovinz die Vereinsidee "Volksbildung" entwickelt, die schließlich 1845 zur Gründung des Borromäusvereins in Bonn führte.

In den ersten Jahren entstanden die drei Grundideen:

. Bücher empfehlen,

. Bücher verkaufen,

. Förderung des persönlichen Buchbesitzes.

Hinzu kam der Aufbau von örtlichen Büchereien, die bald als Borromäusbüchereien im gesamten deutschen Sprachraum bekannt wurden. Ehrenamtliche und Kapläne waren die Leistungsträger dieser Emanzipationsbewegung durch Bildung. Spätestens mit der Gründung des Katholischen Pressvereins für Bayern 1901 (heute Sankt Michaelsbund) und dem 1947 gegründeten Österreichischen Borromäuswerk (heute Österreichisches Bibliothekswerk) wurde die katholische Büchereiarbeit strukturiert von verschiedenen Verbänden weiterentwickelt.

Während des Dritten Reiches wurde die Struktur von örtlichen Trägervereinen und zentralen Verbänden aufgelöst und die Ausleihe religiöser Bücher in Pfarrbüchereien beschränkt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte in Deutschland dann insbesondere nach dem Essener Katholikentag 1968 eine intensive und erfolgreiche Neuausrichtung ein. Entsprechend ist die katholische Büchereiarbeit bis heute im deutschen Bibliothekswesen etabliert.

Aktuell bilden der Borromäusverein (in Kooperation mit der borro medien gmbh) und der Sankt Michaelsbund (mit dem eigenen Versandhandel) mit ihren diözesanen Fachstellen die hauptamtliche Unterstützungsstruktur für rund 35.000 meist ehrenamtliche Büchereimitarbeiter/innen in rund 3.500 Katholischen öffentlichen Büchereien bundesweit. Diese entwickeln sich gerade in größeren Pfarrstrukturen neben der profilierten Medienauswahl und -beratung zunehmend als Kommunikationsorte. Fachstellen und Verbände ermutigen die Mitarbeitenden durch Beratung und professionelles Bildungsangebot, die neuen Herausforderungen durch Veränderungen des Mediennutzungsverhaltens, gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und kirchliche Strukturanpassungen aufzugreifen. Persönliche Kommunikation, Leseförderung und das Einbeziehen digitaler Medien in das Büchereiangebot gehören zu den Stärken, da die regelmäßig geförderten Ehrenamtlichen über hohe Fach- und Sozialkompetenz verfügen. Stetig wachsende Vernetzungen im kirchlichen und kommunalen Umfeld sind in den meisten Büchereikonzepten mittlerweile selbstverständlich.

Links

www.borromaeusverein.de www.st-michaelsbund.de www.medienprofile.de www.lesetraum.de www.borromedien.de

Von Rolf Pitsch, Geschäftsführer der Bonifatius GmbH, Paderborn

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