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Katholisches Filmwerk

Zu aller Anfang steht eine Denkschrift, die Domvikar Eugen Semle 1952 der Öffentlichkeit vorträgt, ein halbes Jahr vor Beginn des öffentlichen Fernsehens in Deutschland. Sie regt die Gründung eines "Katholischen Filminstitutes" an, das "die filmschaffenden Kräfte im katholischen Lager sammeln, dem filmschaffenden Nachwuchs eine Schule sein und im Filmstil geschaffene Fernsehprogramme vorbereiten" soll.

Kirche und Medien | Kevelaer - 06.01.2015

Zu aller Anfang steht eine Denkschrift, die Domvikar Eugen Semle 1952 der Öffentlichkeit vorträgt, ein halbes Jahr vor Beginn des öffentlichen Fernsehens in Deutschland. Sie regt die Gründung eines "Katholischen Filminstitutes" an, das "die filmschaffenden Kräfte im katholischen Lager sammeln, dem filmschaffenden Nachwuchs eine Schule sein und im Filmstil geschaffene Fernsehprogramme vorbereiten" soll.

Die Vereinseintragung Katholisches Filmwerk e.V. erfolgt am 29. April 1953 in Rottenburg am Neckar. Kirchliche Spielstellen werden registriert, Schmalfilme diverser Verleiher sondiert, Vorführrechte lizenziert und Begleitmaterial erarbeitet.

Der gute Spielfilm soll unter die Leute, auch wenn besonders in ländlichen Regionen noch kein Kino zur Verfügung steht. Um die kirchliche Nachricht gleich mit zu verbreiten, entsteht die monatliche "Zeitschau", später in "Spiegel der Zeit" umbenannt, in einer Auflage von zwölf Kopien. Die wachsenden Aufgaben der Filmdisposition übernimmt – zentral gelegen – das Zweigbüro des Katholischen Filmwerks in Frankfurt am Main. Für förderungswürdige Spielfilme, die keinen Filmverleih finden, steht die Materna-Film GmbH parat. Mit der Gründung der Produktionsgesellschaft Tellux-Film GmbH ist die kirchliche Filmarbeit 1961 nun in den Sparten Kritik, Produktion, gewerblicher Verleih und nichtgewerblicher Verleih vertreten.

Sind sie nicht einfach für Filmwerker, die Nachkriegsdekaden? Ein Filmformat, ein Markt, ein Urheberrecht. Nein. Einfach war der Umgang mit Film noch nie. Das weiß, wer jemals die knifflige Lichtbestimmung einer 16-mm-Serienkopie zu beurteilen hatte. Überschaubar, das trifft es schon eher. So überschaubar wie der damalige Markt für Bildungsfilme und die kirchlichen Spielstellen jener Zeit. Und so überschaubar wie ein Urheberrecht, dessen Irrelevanz die Technik vorgibt: Wer kann schon eben mal für den Lehrerkollegen eine Filmkopie "ziehen"?

Im Konzilsdekret "Inter mirifica" fühlen sich die Filmwerker bestätigt: "Die Produktion von Filmen, die anständige Unterhaltung bieten, belehrend und künstlerisch sind, insbesondere von Filmen für die Jugend, ist mit allen wirksamen Mitteln zu fördern und sicherzustellen" (Inter mirifica, 14).

Die späten 1970er bringen die Demokratisierung des Mediums, die den ersten Formatkrieg nährt. Video als Japan-kv-Standard, betamax, video 2000. Aber the winner is: vhs. Die Macht ist nun mit dir und deinem Videorekorder, lieber Privatnutzer. Das Katholische Filmwerk reagiert in kurzer Reaktionszeit auf die lange Halbwertszeit des 16-mm-Films mit angemessenen Preisen und einer Vervielfachung von Videokopienzahlen und Kundschaft. Schulen, Institutionen, Gemeinden können sich nun Bewegtbild auf Kassette leisten. Der obligatorische Erwerb eines Filmvorführscheins verkommt zum Exotenseminar für Lehramtsstudenten.

Mitte der 1990er hält die Digitalisierung auch Einzug in die Filmbranche. Der zweite Formatkrieg bricht aus. Zwei anfängliche Kontrahenten, Video-CD und Laserdisc, verlieren, die DVD wird Standard. Das kfw entwickelt dazu didaktive Strukturen auf der DVD-ROM-Ebene, die dem Lehrer Unterrichtsmaterialien zum Film der DVD bereitstellt. Die Nutzung erfolgt auch über Smartboards/Whiteboards, die Zug um Zug die Kreidetafeln in der Schule ersetzen.

Diözesane Medienzentren, Dekanatsmedienstellen und verleihende Religionspädagogische Ämter bleiben auch damit wichtige Säulen bei der flächendeckenden Ausstattung mit religionspädagogisch relevanten Medien. Denn auch kundenseitig vollzieht sich ein Wandel. Die medienpädagogische Beratung kommt nicht nur dem nach wie vor wichtigen Verleihgeschäft zugute. Mit der Vergabe von Gebietsvertriebslizenzen, die es einer diözesanen Medienzentrale erlauben, kostengünstig DVDs zu verkaufen, sind die kfw-Marktteilnehmer zu innovativen Marketingideen angeregt. Beratungs- und Serviceoptimierung sind die Folge. Und sie sind Grundvoraussetzung auf dem Weg in die trägerlose Distribution. Dort tobt schon der dritte Formatkrieg: Als EDMOND, SESAM, MESAX, M3, BMoD, Nibis, Mediabox und Datenpark sind Online-Distributionsprojekte der jeweiligen Landesbildungsserver betitelt, die sich mit unzähligen Lernplattformen um die Gunst der Lehrerschaft rangeln. Ebenso reichhaltig wie schnelllebig gebärden sich die Containerformate und Verdichtungsstandards. Bundesweit angelegt hingegen entsteht das Onlinesystem für Bildungsmedien der katholischen und evangelischen Medienzentralen ( www.medienzentralen.de ), die damit ihrem Anspruch als Navigatoren im Mediendschungel gerecht werden. Das kfw betreibt im Kern dasselbe Geschäft wie im Gründungsjahr 1953: gute Filme lizenzieren, ob nun für den Verleih, den Verkauf oder zur Online-Nutzung. Das ist doch wieder überschaubar.

Literatur / Links

Die historischen Daten sind entnommen aus: Bilder, Bildung und Bilanzen: 40 Jahre Katholisches Filmwerk. Red. Wilhelm Bettecken, Frankfurt 1993. www.filmwerk.de www.bildungsmedien.org

Von Harald Hackenberg

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