Kirchenzeitung

Die ersten Bistumszeitungen sind bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen. Dass es heute in Deutschland flächendeckend 24 solcher regionalen Kirchenzeitungen gibt, ist eine Spätfolge der Nazi-Herrschaft, die eine vielfältige katholische Presse-Landschaft zerstörte und lediglich jedem Bischof ein "Bistumsblatt" zugestand. Mit 2,4 Millionen Auflage erreichten die Kirchenzeitungen während des Zweiten Vatikanischen Konzils ihren Höchststand.

Kirche und Medien | Kevelaer - 06.01.2015

Die ersten Bistumszeitungen sind bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen. Dass es heute in Deutschland flächendeckend 24 solcher regionalen Kirchenzeitungen gibt, ist eine Spätfolge der Nazi-Herrschaft, die eine vielfältige katholische Presse-Landschaft zerstörte und lediglich jedem Bischof ein "Bistumsblatt" zugestand. Mit 2,4 Millionen Auflage erreichten die Kirchenzeitungen während des Zweiten Vatikanischen Konzils ihren Höchststand.

Heute liegt ihre Auflage bei etwa 600.000 Stück. Als Gründe für den Rückgang gelten: die Krise der Print-Produkte insgesamt, der lange Vorlauf von Wochenzeitungen und die zurückgegangene Akzeptanz weltanschaulich gebundener Medien. Im Fall der Kirchenzeitungen kommt als Ursache die abnehmende Zahl der Katholiken und vor allem der Rückgang der aktiven Kirchgänger hinzu. Gerade von dieser Größe hängt die Zahl der Abos ab.

Vornehmste Aufgabe der Kirchenzeitungen ist die Berichterstattung über das Leben der Kirche – von der Pfarrei bis zum Papst, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Diözese als ihrem Verbreitungsgebiet. Ein Bistumsblatt hält eine Diözese kommunikativ zusammen und ermöglicht qualitätsvolle und kontinuierliche Information über die Kirche vor Ort.

Johannes Schießl

Auch wenn Kirchenzeitungen pro Exemplar deutlich intensiver genutzt werden als Tageszeitungen (sowohl im Blick auf Leserzahl als auch Lesedauer), mussten die Verlage reagieren. So gibt es heute mehrere Kooperationsmodelle, etwa die Verlagsgruppe Bistumspresse mit ihrer Zentralredaktion in Osnabrück, die vor allem in der Nordhälfte Deutschlands agiert, die von Augsburg aus gesteuerte Zusammenarbeit mit den Bistümern Regensburg und Berlin sowie in jüngster Zeit die Übernahme der Paderborner Kirchenzeitung "Der Dom" durch KNA.

Trotzdem hat sich – ähnlich wie bei den Bistümern selbst – auch bei den Kirchenzeitungen eine bunte Vielfalt an Blättern erhalten, die beispielsweise eher auf Magazin- oder Zeitungscharakter setzen. Gemeinsam ist den Publikationen die Berufung auf die päpstliche Pastoralinstruktion "Communio et Progressio" von 1971, die in der Kirchenzeitung einen "runden Tisch" sieht, an dem auch verschiedene Positionen innerhalb der Kirche Platz haben, und ihr die Eigengesetzlichkeit der Medien zubilligt. Die für guten Journalismus unabdingbare Unabhängigkeit einerseits und die im kirchlichen Kontext unverzichtbare Loyalität andererseits sind freilich immer wieder neu in eine Balance zu bringen.

Vornehmste Aufgabe der Kirchenzeitungen ist die Berichterstattung über das Leben der Kirche – von der Pfarrei bis zum Papst, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Diözese als ihrem Verbreitungsgebiet. Ein Bistumsblatt hält eine Diözese kommunikativ zusammen und ermöglicht qualitätsvolle und kontinuierliche Information über die Kirche vor Ort.

Dabei ist durchgängige und exemplarische Regionalität Trumpf. Es gilt verschiedene Strömungen in der Kirche unter einen Hut zu bringen – Sozialverbände und geistliche Bewegungen etwa –, und zwar für hochgebildete und einfache Christenmenschen gleichermaßen. Als Wochenzeitungen bemühen sich die Bistumsblätter um eigene Zugänge zu den großen Themen, um das Ausschöpfen aller journalistischen Stilformen und eine professionelle Gestaltung.

Neben der Berichterstattung steht in guter journalistischer Tradition die Kommentierung, die den Lesern das Geschehen in Kirche und Welt einordnen helfen soll. Dabei kommt es immer wieder zum Spagat zwischen den älteren Lesern, die in der Kirchenzeitung vor allem die Bestätigung ihres oft traditionellen Welt- und Kirchenbilds finden wollen, und den potenziellen Neulesern, die häufig eher das Gegenteil suchen. Weitere wichtige Aufgaben einer Kirchenzeitung sind Glaubens- und Lebenshilfe sowie eine grundsätzliche Service-Orientierung.

Die Kirchenzeitungen stehen heute vor gewaltigen Herausforderungen. Als Komplementär-Medium müssen sie ihren Lesern Zusatz-Nutzen bringen. Sie müssen sich auf jüngere Zielgruppen einlassen, auch wenn diese viel kleiner geworden sind. Wie alle anderen Medien auch müssen sie sich crossmedial aufstellen. Ein enger werdender Markt sollte nicht zu gegenseitigen Kannibalisierungen führen, sondern die Energie freisetzen, auch neue Produkte zu entwickeln. Kirchenzeitungen billig abzukanzeln ist kurzsichtig. Sollen die Kritiker lieber zeigen, dass sie andere Angebote etablieren können, die funktionieren und sich auch noch weitgehend refinanzieren.

Literatur

Klenk, Christian: Letzte Chance für die Bistumspresse. In: Communicatio Socialis (CS) 1/2010, S.3–26. Pastoralinstruktion "Communio et Progressio", kommentiert von Hans Wagner. Trier 1971. Schießl, Johannes: Perspektiven nach einem Jahr "Münchner Kirchenzeitung". In: Communicatio Socialis (CS) 2/1999, S.171–174. Schmolke, Michael: Entwicklung der katholischen Publizistik im 20. Jahrhundert. In: Communicatio Socialis (CS) 3/2010, S.233–251.

Von Johannes Schießl

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