Kirchliche Internetarbeit

Gut zehn Jahre nachdem die katholischen Diözesen, Orden, Pfarrgemeinden und Verbände ihre ersten Gehversuche im Internet machten, ist es aus der kirchlichen Medienarbeit nicht mehr wegzudenken.

Kirche und Medien | Kevelaer - 06.01.2015

Die Kirche müsse auch im Internet so mit den Menschen in Kontakt kommen, dass es ihnen guttue", erklärte Medienbischof Gebhard Fürst anlässlich der im Herbst 2009 beschlossenen Internetoffensive der Deutschen Bischofskonferenz. Gut zehn Jahre nachdem die katholischen Diözesen, Orden, Pfarrgemeinden und Verbände ihre ersten Gehversuche im neuen World Wide Web machten, ist das Internet aus der kirchlichen Medienarbeit nicht mehr wegzudenken.

Und auch Papst Benedikt XVI. erkennt die Chancen des Mediums: Das Internet böte "seelsorgerisch unbegrenzte Perspektiven" und solle wegen seines "beträchtlichen Einflusses" künftig von katholischen Geistlichen für eine "neue Epoche" der Glaubensverkündung genutzt werden, fordert das Kirchenoberhaupt 2010 in seiner Botschaft für den Mediensonntag.

Aktuell stellt sich für die Kirche die Frage, wie sie mit den Entwicklungen im Bereich der Social Media umgehen will. Wie will die Kirche mit Menschen kommunizieren, die sich potenziell jeden Tag im Web neu erfinden?

Gunda Ostermann

Als die katholische Kirche Ende der 90er-Jahre begann, das Internet zu entdecken, dachten zunächst die wenigsten daran, Blogs und Foren für die Seelsorge zu nutzen. Die ersten katholischen Websites wollten informieren und die Frohe Botschaft verkünden. Dementsprechend bestand der Auftrag des ersten offiziellen katholischen Portals www.katholische-kirche.de in der Bündelung von Nachrichten der Diözesen, Orden, Verbände und Institutionen. Darüber hinaus gab es auf der Website täglich einen spirituellen Impuls, der sich am Tagesevangelium orientierte. Dieses erste Engagement wurde Anfang 2004 auf Beschluss der Bischofskonferenz unter der neuen Domain www.katholisch.de weiter ausgebaut. Während das Vorgängerportal noch von einer Person betreut wurde, konnte nun eine kleine Redaktion auch für ein journalistisches Angebot sorgen. Die Nachrichten wurden durch hintergründige Dossiers zu kirchlichen und gesellschaftlichen Themen sowie Informationen über den Glauben und das Kirchenjahr ergänzt. Das Interesse der User an Erklärstücken, Servicethemen und spirituellen Angeboten ist bis heute groß. Doch auch wenn die frohe Botschaft der Kirche die gleiche bleibt, muss katholisch.de mit den Entwicklungen des Internets Schritt halten. Seit einigen Jahren gehören deshalb Audios, Slideshows und Videos zur multimedialen Grundausstattung von katholisch.de. Das Angebot umfasst außerdem eine Mediathek mit "On Demand"- und "Live-Stream"-Programm. Nicht nur auf katholisch.de, sondern im gesamten Netz zeigt sich die Vielfalt des katholischen Glaubens und damit die Spannbreite konfessioneller Publizistik: durch eine Vielzahl von privat betriebenen Portalen sowie Blogs und Foren einzelner, engagierter Katholiken.

Und auch Papst Benedikt XVI. erkennt die Chancen des Mediums: Das Internet böte "seelsorgerisch unbegrenzte Perspektiven" und solle wegen seines "beträchtlichen Einflusses" künftig von katholischen Geistlichen für eine "neue Epoche" der Glaubensverkündung genutzt werden.

Gunda Ostermann

Die Vielstimmigkeit des Netzes ist für die Kirche als Institution mit Wahrheitsanspruch eine Herausforderung. Aktuell stellt sich für die Kirche die Frage, wie sie mit den Entwicklungen im Bereich der Social Media umgehen will. Wie will die Kirche mit Menschen kommunizieren, die sich potenziell jeden Tag im Web neu erfinden?

Dass die katholische Kirche aber auch in Facebook im Sinne des Medienbischofs Gebhard Fürst mit den Menschen auf gute Art und Weise in Kontakt kommen kann, hat das Facebook-Projekt zum Papstbesuch 2011 gezeigt. Verschiedene beteiligte Akteure haben unter der Leitung von katholisch.de auf Facebook eine gemeinsame Fanseite gestartet. Es bot sich die Chance, Menschen zu erreichen, die über die klassischen kirchlichen Kommunikationsmittel nicht angesprochen werden. Über 4.600 Fans interessierten sich innerhalb kürzester Zeit für das Social-Media-Angebot und haben ihre Freude über die päpstliche Visite geteilt und angeregt Fragen des Glaubens diskutiert. Bei dieser Kommunikation zeigt sich, dass kirchliche Social-Media-Akteure nicht nur publizistisches, sondern vor allem pastorales Know-how brauchen. Es lohnt sich deshalb, von den Erfahrungen der Internetseelsorger und Onlineberater zu lernen, die schon seit Jahren mit hoher Kompetenz Menschen im Internet ein Hilfsangebot machen. Viele Bistümer bieten Seelsorge im Netz, und auch die Caritas macht viele ihrer Beratungen online.

Eines der ersten Seelsorgeangebote im Netz war die am 6. April 1998 geweihte Internetkirche von www.funcity.de , St. Bonifatius. Diese Kirche ist ein profiliertes katholisches Angebot mehrerer Diözesen mit ökumenischer Offenheit in einer auf Fun ausgerichteten virtuellen Stadt und versteht sich als Gemeinde im Internet, samt einem Pfarrhaus, einem Gemeindebrief, spirituellen Angeboten zum Kirchenjahr, Chats und Internetandachten. Das Kirchenteam bietet eine schnelle und anonyme Möglichkeit des Kontaktes, der Begleitung und der Seelsorge an, und erreicht so besonders die Menschen, die keinen oder kaum noch Kontakt zur "Kirche vor Ort" haben.

Wenn Benedikt XVI. vom Internet als dem "Vorhof der Heiden" des Jerusalemer Tempels spricht, der denjenigen Raum böte, denen Gott noch ein Unbekannter sei, könnte er dabei die St. Bonifatiuskirche im Sinn gehabt haben. Damit beschreibt der Papst aber auch, dass sich das kirchliche Handeln im Internet in der Vielzahl der Angebote jeden Tag aufs Neue beweisen muss.

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Von Gunda Ostermann

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