Lokalradios

Kommerzielle Lokalradios entstanden in der alten Bundesrepublik ab 1984 und in den östlichen Bundesländern ab den 1990ern. Viele dieser Sender haben sich mit der Zeit erfolgreich im Medienmarkt platziert und erreichen stabil bedeutsame Hörerreichweiten. 2011 gab es bundesweit (außer in Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) fast 180 kommerzielle Lokalradios, die Tag für Tag von zig Millionen Hörern eingeschaltet werden.

Kirche und Medien | Kevelaer - 06.01.2015

Kommerzielle Lokalradios entstanden in der alten Bundesrepublik ab 1984 und in den östlichen Bundesländern ab den 1990ern. Viele dieser Sender haben sich mit der Zeit erfolgreich im Medienmarkt platziert und erreichen stabil bedeutsame Hörerreichweiten. 2011 gab es bundesweit (außer in Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) fast 180 kommerzielle Lokalradios, die Tag für Tag von zig Millionen Hörern eingeschaltet werden.

Basis der Zusammenarbeit zwischen den Diözesen und den Lokalradios ist zum einen das in der Verfassung indirekt verankerte sogenannte "Drittsenderecht", das den Kirchen eine öffentliche Bezeugung der christlichen Botschaft garantiert; die Länder haben entsprechende Regelungen zur "Sendezeit für Dritte" o. Ä. in den Rundfunkstaatsverträgen getroffen.

Martin Wißmann

Parallel zur Senderentstehung gründeten etliche deutsche Diözesen im jeweiligen Bistumsgebiet katholische Zuliefer-Redaktionen auch für Lokalradios, sodass 2011 fast zwei Drittel dieser Sender sporadisch oder regelmäßig kirchlicherseits beliefert wurden. Solche Zuliefer-Redaktionen

- informieren Lokalradios über kirchliche Themen, Positionen oder Veranstaltungen,

- vermitteln Gesprächs-und Interviewpartner für Nachrichten, Beiträge oder Phone-ins,

- sorgen für lokale Verkündigungssendungen,

- liefern journalistisches Audiomaterial, fertige Radiobeiträge oder komplett moderierte Sonntagsmagazine,

- gewinnen Lokalsender als sponsernde Werbepartner für örtliche kirchliche Aktionen,

- ermöglichen regelmäßige Journalbeiträge von kirchlichen Großveranstaltungen, je nachdem, wie weit der jeweilige Auftrag reicht und was die eigenen Ressourcen und die Kooperationsbereitschaft der Sender ermöglichen.

Basis der Zusammenarbeit zwischen den Diözesen und den Lokalradios ist zum einen das in der Verfassung indirekt verankerte sogenannte „"Drittsenderecht"(1), das den Kirchen eine öffentliche Bezeugung der christlichen Botschaft garantiert; die Länder haben entsprechende Regelungen zur "Sendezeit für Dritte" o. Ä. in den Rundfunkstaatsverträgen getroffen.

Zum anderen ist die entstehende Win-win-Situation kooperationsfördernd. Die Sender bekommen Zugriff auf einen lokalen bzw. regionalen Themen-, Audiomaterial-und Personalpool, der ihr Programm etatschonend füllen hilft. Gerade kommerzielle Lokalradios mit tendenziell unterbesetzten Redaktionen und engen Budgets für freie Mitarbeiter zeigen sich in der Regel sehr offen für journalistisch gut gemachte Zulieferungen.

Den Diözesen bzw. ihren auf lokaler Ebene handelnden Personen und Institutionen eröffnen sich mit den Lokalradios reichweitenstarke Kanäle zu den Menschen im örtlichen Kommunikations-raum, auch zu vielen Jüngeren und Fernstehenden, die sich selten in Hörweite von Kanzeln aufhalten und auch nicht in Kirchenzeitungen blättern.

Eine gewinnbringende Nutzung dieser den Menschen sehr nahen Kommunikationskanäle verlangt adäquate Ressourcen für die kirchliche Zulieferarbeit, ohne die eine langfristig imagewirksame Häufigkeit, Vielseitigkeit und Tiefe an lokaler Radiopräsenz in der Fläche nicht herstellbar ist. Was sich in diesem Bereich an Chancen bietet und was hier seitens der Diözesen tatsächlich getan wird, klafft oft noch weit auseinander: Kirchliche Zulieferung an kommerzielle Lokalradios ist, wo sie läuft, meist sehr effektiv, aber fast überall ist dieses Engagement eher entwicklungsfähig als überdimensioniert. Zeitgemäße, umfassende Medien- und Kommunikationskonzeptionen der Diözesen, die überwiegend zu erstellen bzw. zu aktualisieren wären, werden kaum auf einen angemessen ausgestatteten Bereich medienadäquater Zulieferung an kommerzielle Lokalradios verzichten. Denn diese Stationen werden trotz aller medialer und verbreitungskanalbezogener Ausdifferenzierung auf absehbare Zeit eine wesentliche Rolle in der Massenkommunikation im Nahraum spielen.

(1) Abgeleitet aus Art. 5 Abs. 1, S. 2, in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 und Art. 22 GG.

Von Martin Wißmann

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