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Mediendidaktik

Der Medieneinsatz will wohlüberlegt sein und setzt beim Lehrenden gewisse Kompetenzen voraus. Einen Film wie beispielsweise "Der Club der toten Dichter" ohne Einführung zu zeigen und nach dessen Ende mit wenigen W-Fragen zu analysieren, würde dem Film nicht gerecht werden. Notwendig sind vorbereitende didaktische Maßnahmen.

Kirche und Medien | Kevelaer - 06.01.2015

Der Medieneinsatz will wohlüberlegt sein und setzt beim Lehrenden gewisse Kompetenzen voraus. Einen Film wie beispielsweise "Der Club der toten Dichter" ohne Einführung zu zeigen und nach dessen Ende mit wenigen W-Fragen zu analysieren, würde dem Film nicht gerecht werden. Notwendig sind vorbereitende didaktische Maßnahmen.

Dazu gehört eine Einführung in das Thema des Films und seine Machart, der Darsteller und der Frage, warum der Film gezeigt wird. Gezielte Beobachtungsfragen helfen, das geplante Filmgespräch inhaltlich vorzubereiten. Möglicherweise müssen einzelne Filmsequenzen im Filmgespräch wiederholt werden, um inhaltliche Facetten der Geschichte sowie filmästhetische Ausdrucksweisen darzustellen.

Nicht nur in der Erwachsenenbildung gibt es die weit verbreitete Auffassung, dass es vor allem auf die Sachkompetenz des Lehrenden ankommt, ergänzt durch die allgemeine Menschenkenntnis und ein "Fingerspitzengefühl" im Umgang mit erwachsenen Teilnehmern und Medien. Die Notwendigkeit einer eigenen mediendidaktischen Qualifizierung wird oft unterschätzt, wohl besteht ein Fortbildungsinteresse an methodischen Tricks und Techniken im Umgang mit Medien (z. B. Mindmanager als Moderationstool…).

Dabei wird leicht übersehen, dass die Qualität der Bildungsarbeit durch die Vernachlässigung der mediendidaktischen Kompetenz beeinträchtigt wird. Es gibt sicher den charismatischen, begeisterungsfähigen Dozenten mit unverwechselbarer persönlicher Ausstrahlung, der die Teilnehmer fasziniert, obwohl er gegen alle mediendidaktischen Regeln verstößt. Solche Koryphäen haben möglicherweise das didaktische Know-how tatsächlich nicht nötig. Auf der anderen Seite gibt es jene, die zwar über mediendidaktisches Wissen verfügen, es ihnen jedoch wenig hilft, weil sie für die Arbeit mit Lerngruppen ungeeignet sind. In der Praxis dürften die einen wie die anderen eher die Ausnahme darstellen.

Mediendidaktisches Grundwissen stellt die Grundlage der erwachsenenpädagogischen Professionalität dar. Ohne didaktische Struktur herrscht eher Verwirrung und Unübersichtlichkeit und nicht selten Chaos. Mit anderen Worten: Produktive Lernfortschritte sind ohne die (medien-)didaktische Planung nicht zu erwarten.

"Die Mediendidaktik umfasst den Bereich der Didaktik, in dem alle Überlegungen zusammengefasst sind, bei denen es im Wesentlichen um die Frage geht, wie Medien zur Erreichung von Bildungszielen gestaltet und verwendet werden können und sollen" (Gerhard Tulodziecki).

In der Mediendidaktik geht es darum, wie Medien eingesetzt werden können, um Lehr- und Lernprozesse zu optimieren. So gesehen ist die Mediendidaktik ein Spezialfall der allgemeinen Didaktik und beruht auf deren Forschungsergebnissen. Die Medienauswahl steht insofern in direktem Zusammenhang mit den Lerntheorien. Je nach Zielgruppe, Lernzielen und Lerninhalten bieten sich unterschiedliche Medien an.

- Welche Merkmale von Medien sind für das Lernen wichtig?

- Wie lässt sich das Verhältnis von Medien und Lehr-/Lernprozessen grundsätzlich beschreiben?

- Welchen Stellenwert erhalten Medien in einem handlungsorientierten Lehr-/Lernprozess?

- Welche Medien passen zum Lehrstoff und zur Zielgruppe?

Medien sind didaktisch interessant, weil sie Inhalte anders darstellen und die Teilnehmer aktiv beteiligen. Sie können zur inhaltlichen Vermittlung, zur Wiederholung und Vertiefung von Lerninhalten eingesetzt werden; ihre Vielseitigkeit macht sie als didaktische Instrumente so wertvoll. Ob Dia, Film, DVD, PowerPoint-Präsentation, Lernumgebung, Chat, Forum oder Arbeitsblatt: es gibt keine Inhalte, die nicht über und mit Medien vermittelt werden können. Medien können inhaltliche Schwerpunkte setzen, weisen auf Besonderheiten des Stoffes hin, regen die Phantasie und Kreativität an, helfen den Lehrenden, den Lernstoff zu emotionalisieren oder fördern den Kommunikationsfluss. Vorausgesetzt, sie sind didaktisch so eingebettet, dass sie nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern.

Die Kunst des Lehrenden besteht darin, dieses Instrumentarium so zu organisieren, dass ein möglichst effektives Lernen stattfinden kann. Dazu gehört neben der zweifellos wichtigen Fachkompetenz auch eine Medienkompetenz, Medien im Rahmen der didaktischen Planung angemessen auszuwählen und im Lernprozess einzusetzen. Ohne eine grundlegende Medienkenntnis wird das nicht möglich sein.

Zur Person: Von Jürgen Holtkamp, bis 2012 Leiter der Fachstelle Kommunikation und Veranstaltungen, Leiter der Abteilung Beratung, Erziehung und Familie, Caritasverband für das Bistum Essen e. V.

Literatur

Hüther, Jürgen: Mediendidaktik. In: Hüther, Jürgen / Schorb, Bernd (Hgg.): Grundbegriffe der Medienpädagogik. München 1997, S. 210–215. Meueler, Erhard: Didaktik der Erwachsenenbildung. In: Tippelt, R. (Hg.): Handbuch der Erwachsenenbildung / Weiterbildung. Leverkusen 1994, S. 615–628. Siebert, Horst: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. München 2000. Vollbrecht, Rolf: Einführung in die Medienpädagogik. Weinheim 2002.

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