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Medienverlage

Die katholischen Medienverlage bieten neben Information und Bühne schon immer ein Stück Heimat für die Katholiken. Am 5. Januar 1908 erschien die erste Ausgabe des "Wochenblatts für die katholischen Gemeinden Münchens", die heute als "Münchner Kirchenzeitung" beim Sankt Michaelsbund in München verlegt wird und das Bistumsblatt der gesamten Diözese München und Freising ist.

Kirche und Medien | Kevelaer - 06.01.2015

Die katholischen Medienverlage bieten neben Information und Bühne schon immer ein Stück Heimat für die Katholiken. Am 5. Januar 1908 erschien die erste Ausgabe des "Wochenblatts für die katholischen Gemeinden Münchens", die heute als "Münchner Kirchenzeitung" beim Sankt Michaelsbund in München verlegt wird und das Bistumsblatt der gesamten Diözese München und Freising ist.

Bereits 1850 wurde das "Würzburger katholische Sonntagsblatt", die Kirchenzeitung der Diözese Würzburg, gegründet. "G/ Geschichte" hingegen will seit 1979 für Leser mit Interesse an der Weltgeschichte dem Anspruch gerecht werden, Geschichte erleben zu lassen, als wäre man selbst dabei gewesen.

Und "Communicatio Socialis", die Zeitschrift für Medienprofis, informiert seit 1968 über die aktuellen Themenfelder Medien, Kommunikation und Gesellschaft aus theologischer und kommunikationswissenschaftlicher Sicht. Seit 1966 besteht "kontinente", das Magazin für die missionarische Kirche, das nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von damals zunächst 13 Ordensgemeinschaften (heute 29 Gemeinschaften) herausgegeben wurde. Das Magazin "Minipost" stellt seit Beginn der 1990er-Jahre die einzige Zeitschrift für Messdienerinnen und Messdiener im ganzen deutschsprachigen Raum dar. Sechs Beispiele, die nur annähernd die vielfältigen Angebote katholischer Medienverlage veranschaulichen können.

Ein Blick auf die Internetseite des Katholischen Medienverbands zeigt auf, in wie vielen Zeitschriftengattungen sich die katholischen Verlage bewegen. So gibt es neben der Bistumspresse und den Missions- und Ordenszeitschriften auch Zeitschriften für Familie, Frauen, Kinder und Jugend.

Es existieren Hefte für Liturgie und Katechese. Und neben wissenschaftlich-theologischen Zeitschriften werden Kultur- und Fachzeitschriften angeboten. Mitgliedszeitschriften, Zeitungen und Nachrichtendienste runden das Bild ab. Dabei gleicht kaum einer der vielen hundert Verlage, in denen Tausende von Publikationen erscheinen, dem anderen.

Die schon erwähnte "Münchner Kirchenzeitung" erscheint beispielsweise im Sankt Michaelsbund, der als das zentrale Medienhaus der Diözese München und Freising fungiert. Dort werden neben der Bistumszeitung über den eigenen Verlag auch Bücher sowie Literatur- und Musik-CDs verlegt. Darüber hinaus gibt es einen Buchversand und eine Radioredaktion. Bayernweit betreut der Sankt Michaelsbund zudem rund 1.200 öffentliche Büchereien.

Die Zeitschrift "G/Geschichte" hingegen erscheint bei der Bayard-Mediengruppe Deutschland. Die französische Gruppe Bayard und ihr belgischer Partner Roularta haben im Frühjahr 2008 den Zeitschriftenbereich der katholischen Verlagsgruppe Weltbild herausgekauft und im deutschen Ableger gebündelt. Die Bayard-Gruppe wurde 1873 vom Orden der Augustiner-Assumptionisten gegründet und ist heute ein Medienkonzern mit über 5.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fast einer halben Milliarde Euro.

Eine weitere oben genannte Zeitschrift ist "Communicatio Socialis". Diese Fachzeitschrift für katholische Kommunikationsschaffende erscheint beim Schwabenverlag in Ostfildern unter Herausgeberschaft von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und der Katholischen Universität Eichstätt. Bereits 1848 wurden die bis heute hier erscheinenden Publikationen "Sonntagsblatt für das christliche Volk" und der "Katholische Volks- und Hauskalender" gegründet. Heute gehören zur Schwabenverlag AG zudem Buchverlage wie der Patmos-Verlag, der Grünewald-Verlag, der Verlag am Eschbach und der Jan Thorbecke Verlag.

Der Verlag von "kontinente" konzentriert sich vor allem auf die Herausgabe des zweimonatlichen Heftes und bündelt damit die verlegerischen Aktivitäten der herausgebenden Ordensgemeinschaften. Ein Medienverlag, der in überschaubaren Strukturen das Heft mit einer Auflage von 280.000 Exemplaren und Ausgaben im gesamten deutschsprachigen Ausland, Luxemburg, Belgien, Italien und den Niederlanden managt.

Beim Unternehmen "Butzon __amp__ Bercker GmbH" schließlich wird die Ministrantenzeitschrift "Minipost" herausgegeben. Das Unternehmen besteht aus den Bereichen Buch, Kunst, Karten, Logistik und Bronzegießerei.

Bei all den unterschiedlichen Publikationen, Vertriebs- und Kommunikationswegen verwundert es also nicht, dass kaum ein Medienverlag dem anderen gleicht. So vielfältig wie die katholische Kirche in Deutschland im Ganzen ist, so bunt und interessant ist auch ihre Verlagsszene.

Doch auch die Verlagswelt verändert sich zusehends. Das veränderte, immer stärker selektive Mediennutzungsverhalten der Leser, Zeitdruck und zahlreiche digitale Medienangebote verschärfen den Wettbewerb, auch bei den katholischen Medienverlagen. Bücher werden digitalisiert und zunehmend als E-Book nachgefragt. Begriffe wie Medienkonvergenz, Suchmaschinenoptimierung und Mobile Communication treten immer öfter an die Stelle klassischer Verlagsinstrumente wie Autorenlesungen oder Schaufensterpräsentationen. Während allein die Auflage der Kirchenzeitungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahre 1963 von damals ca. 2,4 Millionen Auflage auf heute ca. 620.000 Exemplare geschrumpft ist, verbucht der sich als sehr katholisch erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert in kurzer Zeit über 50.000 Friends auf seinem Facebook-Profil. Suchmaschinenmarketing-Kampagnen bei Google® bringen der einen Bistumszeitung 200 Abonnenten, während eine andere durch aufwändige Haushalts-Mailings in 30.000 Briefkästen nur 10 Abos gewinnt. Medienkonzerne wie Hubert Burda Media verkünden die Bildung einer Allianz zwischen Burda und der WAZ Mediengruppe, um gemeinsam gegen Google® und Facebook zu kämpfen. Und die Axel Springer AG wählt gerade den anderen Weg, indem sie ihre Zeitschriften nach und nach abstößt und sich neben der Bild-Gruppe zukünftig vor allem auf das digitale Geschäft konzentrieren möchte.

Die katholischen Verlage stellen sich ebenso wie die säkularen Medienunternehmen dieser dynamischen Entwicklung. Auch hier werden bestehende Produkte modifiziert, neue Angebote crossmedial aufgestellt, Allianzen geschmiedet. Es besteht dennoch ein kleiner Unterschied zur nichtkirchlichen Medienwelt. Während die rein wirtschaftlich orientierten säkularen Verlage sich vor allem und letztlich auch ausschließlich durch Umsätze und Gewinne definieren, können die katholischen Medienverlage darüber hinaus mit weiteren Qualitäten punkten. Sie profilieren sich immer mehr als die Medienspezialisten für die Bistümer und kirchlichen Institutionen. Da sie meist dem Wettbewerb am stärksten ausgesetzt waren, waren sie auch am ehesten gezwungen, zu reagieren und ihre Kompetenzen zukunftsgerichtet zu erweitern. Von diesem Know-how können jetzt die Bistümer profitieren und die Verlage sich durch eine Mischkalkulation aus am Markt erzielten Umsätzen und innerkirchlich erbrachten Dienstleistungen finanzieren. Zudem legen die Medienverlage immer mehr Wert auf eine nutzwertorientierte Wertevermittlung, gehen differenzierter auf die Zielgruppen zu, um sie zu erreichen (z. B. Sinus-Milieus), und versuchen ein neues Wir-Gefühl bei den Zielgruppen zu schaffen. Sie stellen sich mit ihrer Produktpalette breiter auf, um die Zielgruppen dort abzuholen, wo sie sich aufhalten, und arbeiten in vielen Bereichen bereits eng zusammen. Sie nutzen das Internet, denken crossmedial und agieren zunehmend flexibler.

Komplexität und Anforderungen an die katholischen Verlage nehmen zu. So stellen sich diese entsprechend auf, um zukünftig im Rahmen des Kommunikations-Mix innerhalb und außerhalb der Bistümer immer wichtiger zu werden.

Von Tilo Treede

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