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Zeit und Ewigkeit vom 10.12.2017

Gedanken zum Advent mit Bischof Rudolf Vorderholzer

Die wichtigsten Worte im Leben, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, die wichtigsten Worte im Leben ko¨nnen wir uns nicht selber sagen. Ich meine damit jetzt gar nicht die ungeza¨hlten Worte, die wir uns sagen lassen mu¨ssen, wenn wir als Kinder, Jugendliche, Lehrlinge oder Studenten Schulba¨nke dru¨cken oder Ho¨rsa¨le fu¨llen, um auf Lehrer zu ho¨ren, die uns sagen, was wir noch nicht wissen. Mit den vielen und wichtigen Worten, die wir uns ein Leben lang gesagt sein lassen mu¨ssen, meine ich solche, bei denen es gerade darauf ankommt, dass ein anderer sie mir sagt. Worte wie „Gut, dass es dich gibt“, „Ich mag dich“ oder „Ich vertraue dir“. Oder „Ich traue dir etwas zu“. Worte, die wir uns gesagt sein lassen mu¨ssen oder besser: gesagt sein lassen du¨rfen.

Worte wie „Ich liebe dich“, „Ich verzeihe dir" oder „Ich nehme dich an als meinen Mann, als meine Frau“ bereichern mich. Sie vera¨ndern mein Leben. Worte wie „Ich vergebe dir" oder „Auf dich habe ich gewartet“ sind unbezahlbar. Darum wird es uns guttun, wenn wir diese Zeit des Advents als Chance nutzen, um unsere Ohren zu spitzen, um in dieser gar nicht so „staden“ Zeit hellho¨rig zu bleiben fu¨r Worte, von denen wir leben ko¨nnen, Worte, die wir uns nicht selber sagen ko¨nnen.

Von dem amerikanischen Schriftsteller Marc Twain stammt das Wort: „Von einem Kompliment kann ich mindestens sechs Wochen lang leben.“ Sechs Wochen, das ist eine lange Zeit fu¨r ein paar gute Worte von einem lieben Menschen. Wie viele Lebensimpulse stecken da wohl erst in den Worten, die aus Gottes Mund kommen?

Von den ersten Seiten der Bibel an erfahren wir, was es bewirken kann, wenn Gott seine Stimme ho¨ren la¨sst und seine Worte in unserer Welt widerhallen. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; [...] Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.“ Es wurden Wasser und Land, Tag und Nacht, Pflanzen und Tiere. Auf Gottes Wort hin wurde die ganze Welt geschaffen.

U¨ber Jahrhunderte spricht Gott u¨ber Dritte, u¨ber die Propheten. Dann aber bahnt sich Gottes Wort an einem bestimmten Ort in Nazareth in Galila¨a auf einzigartige Weise seinen Weg zu den Menschen. Einem Engel vertraut Gott sein Innerstes an, damit er die Botschaft u¨berbringt. Gabriel heißt auf Deutsch „Mann Gottes“ oder „Gott erweist sich als stark“. Gabriel ist von Gott mit einer starken Botschaft nach Galila¨a in die Stadt Nazareth gesandt zu einer jungen Frau, die Maria heißt. Ihr verku¨ndet er, dass Gott an sie einen einzigartigen Anspruch hat: Sie soll das Wort Gottes zur Welt bringen.

Damit geschieht etwas Neues: Jetzt wird Gott mit seinem Wort identisch. Gott hat nicht nur ein Wort fu¨r die Menschen u¨brig; in Jesus Christus ist Gottes Wort in Person da. Durch ihn sollen die Menschen alles erfahren, was zum Wesen Gottes geho¨rt. Gott hat sich festgelegt und ein fu¨r alle Mal Ja gesagt zu uns Menschen. Das du¨rfen wir uns gesagt sein lassen. „Ja, ich bin in eurer Mitte!“, spricht der Herr. „Wer Ohren hat zu ho¨ren, der ho¨re!“

Der Engel des Herrn aus Gottes Macht Maria hat die Botschaft bracht:
Sie soll die Mutter Gottes sein
und bleiben eine Jungfrau rein.

Was der Engel Gabriel der Jungfrau Maria zu vermelden hatte, war eine Frohe Botschaft, die ihm la¨chelnd u¨ber die Lippen kam. Davon war der Ku¨nstler u¨berzeugt, der um das Jahr 1280 eine Figur gestaltet hat, die sich heute hier im Dom zu Regensburg befindet. Unza¨hligen Frauen und Ma¨nnern, die seit Jahrhunderten hierherkommen, verra¨t er mit seinem Blick: Wer Gottes Botschaft auf seiner Zunge tra¨gt, darf frohgemut sein. Wenn du dein Herz o¨ffnest fu¨r das, was Gott dir zu sagen hat, fu¨r Worte, die nur er dir sagen kann, dann wird dein Leben fruchtbar fu¨r dich und fu¨r deine Mitmenschen.

Die Botschaft des Engels war fu¨r Maria gedacht, angefu¨llt mit Worten, die sie sich niemals selber ha¨tte sagen ko¨nnen. Ob ihr auch zum La¨cheln zumute war, als sie davon erfuhr, was Gott mit ihr vorhat, wissen wir nicht. Aber es wundert mich nicht, dass sie erst einmal erschrocken ist – so wie es in der Bibel angedeutet wird – und dass ihr Fragen und Zweifel gekommen sind, dass sie gefragt hat, wie das gehen soll und ob sie dem Anspruch gewachsen ist, den Gott an sie gestellt hat.

Aber der Engel zerstreut ihre Unsicherheit: „Fu¨r Gott ist nichts unmo¨glich!“ Auf dieses Wort hin, das so glaubhaft nur aus dem Mund eines Engels kommen kann, traut sich Maria Ja zu sagen und das Wunder zuzulassen: „Mir geschehe nach deinem Wort! Ich bin bereit, die Mutter dieses go¨ttlichen Kindes zu werden.“ Mit dieser adventlichen Haltung ist Maria guter Hoffnung. Sie vertraut auf den Geist der Worte des Engels und ist voller Erwartung auf den, aus dessen Mund die Welt einmal die Worte ho¨ren wird: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fu¨lle haben!“

Das heilige Wort, das Fleisch g‘worden ist, das wird genannt Herr Jesus Christ.
Dein bittres Leid, o großer Gott,
das sta¨rke mich in meinem Tod.

Dieses adventliche Geschehen in Nazareth und seine Folgen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, der Dialog zwischen dem Engel Gabriel und der Gottesmutter Maria, die sich gegenseitig ihr Wort geben, ist nicht nur fu¨r kirchliche Innenra¨ume gedacht. Die Botschaft, dass Gott Mensch wurde und da ist zu allen Stunden unseres Lebens, muss nachklingen mitten in der Welt fu¨r alle Zeit und in Ewigkeit. Deshalb ist es eine gute Tradition, dass in vielen bayerischen Gemeinden die Kirchenglocken mehrmals am Tag die Menschen an den Gruß des Engels Gabriel an Maria erinnern und im Angelus in der Fru¨h, am Mittag und am Abend ermutigen, diesen Worten betend nachzuspu¨ren.

Es braucht sie zu allen Zeiten, diese la¨chelnden Boten mit einer Botschaft des Lebens auf ihren Lippen. Und es braucht Sie und mich, damit diese gute Nachricht weiterklingen kann. Lassen wir uns das gesagt sein.

Ich wu¨nsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

BR

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