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Das Wort zum Jahresbeginn vom 31.12.2017

"Gute Aussichten" gesprochen von Dr. Wolfgang Beck (kath.)

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

das Jahr 2018 wird ein ausgesprochen gutes Jahr. Und halt! Bevor Sie wegschalten, weil Sie einen hoffnungslosen Fall von Berufsoptimisten vor sich glauben, geben sie mir vier Minuten, um Sie zu überzeugen. Klar könnte man auch vor allem die Probleme sehen. Was da in einem Jahr alles schiefgehen und im Desaster enden kann! Aber die Bedenkenträger verschaffen sich schon ausreichend Aufmerksamkeit.
Bei der Frage, ob ich selbst eher skeptisch oder doch hoffnungsvoll und optimistisch bin, finde ich eine Situation hilfreich, die in der Bibel, im Alten Testament an einer entscheidenden Stelle, beschrieben wird: Die Israeliten waren aus Ägypten geflohen und werden – so ihre Tradition –in der Wüste als Menschen in einer schwierigen Situation dargestellt. Sie müssen sich religiös und als Gemeinschaft neu sortieren und finden. Und am Ende könnten sie einfach in das Gelobte Land ziehen und Gott dankbar sein, dass sie gerettet wurden.
Doch nun, bevor der entscheidende Schritt in die neue Heimat getan wird, gibt es heftige Bedenken: Es kann gefährlich werden; man hört schlimme Dinge von diesem fremden Land. Die Skeptiker sehen nur das Bedrohliche. Deshalb werden Kundschafter vorausgeschickt, die sich erstmal in dem fremden Land ein bisschen umschauen. Das ist clever. Warum auch ein Risiko eingehen? Und dann kommen die Kundschafter zurück, sie schleppen Schweres mit sich. Große Früchte, die nur zu zweit zu tragen sind. Großes Erstaunen.
Die Früchte sollen den Zurückgebliebenen zeigen, wie großartig das Land ist. Die Kundschafter müssen sich abmühen mit dem, was sie entdeckt haben. Die Früchte sind wie eine riesige Zusage: Dort ist es gut, ihr müsst euch nur trauen, das Land zu betreten. Die übergroße Frucht ist bis heute für die Israeliten ein Symbol für das große Vertrauen in die Zukunft und die Zusagen Gottes. Sie ist auch ein Statement gegen Bedenkenträger, gegen Nörgler und Skeptiker. Denn die freuen sich, wenn alles schiefgeht. Und solche Typen führen auch bei den Israeliten weiter das große Wort. Sie erfinden Geschichten, dass die Zukunft im Grund nur schlimm werden kann. Und so stehen sich Optimisten und Pessimisten bis heute gegenüber. Eine Erinnerung an dieses Bild von der übergroßen Frucht als Versprechen einer guten Zukunft ist zu Beginn eines neuen Jahres hilfreich.
Mut und Optimismus sind nicht naiv. Die Israeliten standen angesichts der großen Früchte im Gelobten Land aber auch vor der Herausforderung, dass es gerecht zugeht. Wo es viel gibt, darf eben erst recht niemand benachteiligt oder ausgebeutet werden. Wo große Früchte zu erwarten sind, muss auch die Frage gestellt werden, ob alle daran beteiligt werden. Es kommt, auch beim Blick auf ein neues Jahr auf beides an: die großartigen Chancen und positiven Dinge zu sehen, aber darin auch einen Auftrag zu erkennen. Menschen, denen es gut geht und die große Früchte erwarten, können sich freuen und auch stolz sein. Sie sind aber auch verantwortlich, dass alle etwas davon haben und niemand ausgeschlossen oder ausgebremst wird. Erst wenn ich mit Optimismus auf diese Aufgabe schaue, wird die Freude nicht zum Hohn.
Ich wünsche Ihnen, dass bei Ihnen auch das Vertrauen und die Zuversicht überwiegen, um daraus für alle etwas Gutes zu machen. Wie bei den großen Früchten in der biblischen Tradition gilt dann auch im Blick auf das vor uns liegende Jahr: das wird bestimmt richtig gut!

ARD

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