100-jähriger Diakon dient noch bei acht Messen die Woche
Gläubiger Senior denkt noch nicht ans Aufhören

100-jähriger Diakon dient noch bei acht Messen die Woche

Wer sich in der Kirche engagieren will, kann das in jedem Alter tun – doch man wird nur auf wenige Hundertjährige am Altar treffen. Ein 100-jähriger Diakon genießt seinen Dienst aber immer noch – und will so lange weitermachen, wie er kann.

Von Patti Armstrong |  Dearborn Heights - 01.02.2019

Damals war Woodrow Wilson US-Präsident, die Leute fuhren noch mit dem Ford-Model T ins Kino, um Charlie Chaplin zu sehen und der Erste Weltkrieg war gerade erst zu Ende – da wurde Diakon Lawrence Girard am 21. November 1918 geboren. Seit seiner Geburt vor hundert Jahren ist die Welt nicht langsamer geworden und das gilt auch für ihn, jedenfalls für die Verhältnisse eines Hundertjährigen.

Diakon Girard dient immer noch bei acht Messen jede Woche in der Kirche St. Sebastian in Dearborn Heights im US-Bundesstaat Michigan – jeden Tag eine und sonntags zwei. Girard liest Evangelium und Fürbitten und teilt die Eucharistie aus. Wenn man seinen Pfarrer Walter Ptak auf ihn anspricht, sagt der nur: "Er ist nicht nur 100, sondern auch voller Leben und Aktivität." Wenn Girard zwischen der Sakristei am Ende des Kirchenschiffs und dem Altar hin und her geht, dann in einem zügigen Tempo. "Ich muss ihn manchmal anhalten und ihm sagen: 'Hey, warte mal einen Moment, neben dir sehe ich lahm aus'", sagt Pfarrer Ptak lachend, "ich bin 57 und kann oft nicht mit ihm mithalten."

Für jeden ein paar weise Worte

Zusätzlich zu seinem Dienst in der Messe ist der Diakon mit dem biblischen Alter auch sonst im Gemeindeleben präsent: "Er ist immer irgendwo unterwegs, ein richtiger Glaubenszeuge, vor allem für die Älteren", sagt der Pfarrer, "er hat so eine positive Grundeinstellung und macht sich immer wieder daran, das Evangelium weiterzugeben und selbst zu leben." Das fällt auch den Gemeindemitgliedern auf: "Der Diakon ist ein wundervoller Mann", sagt Ken Krach, der nach der Messe in der Sakristei aushilft, "er ist immer als einer der Ersten morgens da – und er hat für jeden ein paar weise Worte. Er ist eine inspirierende Persönlichkeit, fromm und sanftmütig. Außerdem hat er immer noch ein sehr gutes Erinnerungsvermögen."

Diakon Lawrence Girard teilt die Kommunion aus.

Vor einer Messe hat Diakon Girard lange genug angehalten und sich etwas Zeit für ein Interview genommen: Er erzählt, dass er aus dem kanadischen Windsor kommt und einen Abschluss als Lehrer hat. 1932 schloss er sich dem Laienorden der „Christlichen Brüder“ an und unterrichtete an deren Schulen in Toronto und Montreal. "Irgendwann fühlte ich, dass ich ein Leben als Ehemann führen sollte. Also verließ ich den Orden und zog 1947 nach Detroit, wo meine Eltern damals lebten", erklärt er.

Zunächst unterrichtete er dort weiter an katholischen Schulen, machte aber dann seinen Abschluss in Sozialer Arbeit und war 25 Jahre lang Sozialarbeiter in der Region Detroit. Bei der Arbeit lernte er dann seine spätere Ehefrau Jean kennen, die als Lehrerin arbeitete. Sie heirateten 1951 und waren 60 Jahre zusammen, bis Jean 2012 im Alter von 93 Jahren starb. Zusammen hatten sie fünf Kinder, die heute zwischen 58 und 65 Jahre alt sind. Heute wohnt Girard bei seiner Tochter, drei seiner anderen Kinder leben in der Region, das fünfte ist nach Ottawa gezogen.

Ein Diakon der ersten Stunde

Obwohl Papst Paul VI. 1968 das Ständige Diakonat wieder einführte, dauerte es noch ein paar Jahre, bis das Erzbistum Detroit 1971 ein Programm für Diakone aufsetzte. Ein Jahr später schrieb sich Girard dort ein und wurde am 25. April 1976 geweiht. "Ich habe nie geglaubt, dass ich zum Priester berufen bin, aber ich wollte ein paar meiner Talente für die Kirche einsetzen", sagt er. Er besuchte Kranke im Krankenhaus und zu Hause und brachte ihnen die Eucharistie. Oft besuchte er so zwanzig Menschen jeden Tag.

"Sie haben mir dann ihre Geschichte erzählt und von ihren Familien und Problemen", sagt er, "und ich habe mit ihnen über Gott gesprochen und mit ihnen gebetet. Manchmal habe ich ihnen aber auch gesagt, dass sie zur Beichte gehen sollen. Dann habe ich einen Priester gebeten, zu ihnen nach Hause zu kommen. Ich habe aber auch Bescheid gesagt, damit er ihnen die letzte Ölung gibt."

Was ist sein Geheimnis für ein langes, glückliches Leben? "Meine Frau hat mir sehr geholfen, lange zu leben", sagt er, "und wir haben einfach gute Gene in der Familie. Unsere Vorfahren kamen aus Frankreich. Sie sahen die Französische Revolution kommen und flohen nach Kanada, weil es dort Religionsfreiheit gab."

Auch mit 100 Jahren steht Diakon Lawrence Girard noch jeden Tag hinter dem Altar.

Der 100-jährige Diakon sagt, dass er sich um eine gesunde Ernährung bemüht, jeden Tag ein Gläschen Wein trinkt und nur selten zum Arzt muss. "Ich wäre wahrscheinlich noch gesünder, wenn ich nie geraucht hätte", gibt er zu. "Ich habe 40 Jahre lang geraucht. Zwei Mal habe ich versucht, aufzuhören, aber das hat immer nur ein paar Wochen funktioniert. Endgültig aufgegeben habe ich das Rauchen, als ich in Rente gegangen bin, mit 62." Wie er es geschafft hat, aufzuhören? "Ich habe einfach keine Zigaretten mehr gekauft", sagt er.

Keine Zukunftssorgen

Sorgen um die Zukunft macht sich Lawrence Girard nicht, er ist zufrieden mit dem, was er tut. "Ich hoffe, dass ich mal in Einklang mit der Kirche und meiner Familie sterbe", sagt er. "Der Dienst am Altar hilft mir beim Beten, während ich dem Priester als Lektor und Kommunionhelfer zur Seite stehe." Seine eigene Beziehung mit Gott vertieft er durch das Lesen der Schrift und die Beichte: "Das bringt einen näher zu Gott."

Den könnte er als Hundertjähriger bald treffen: "Darüber mache ich mir keine Sorgen", sagt er, "ich habe keine Angst. Ich weiß zwar nicht, wie ich mal sterben werde, aber es wird sicher kein Autounfall sein, denn ich fahre schon seit zwei Jahren nicht mehr. Das Auto war kaputt gegangen. Es ist schön, Kinder zu haben, die mich herumkutschieren können."

Während er sich nach der Messe umzieht, erklärt Diakon Girard, dass er auch nach 40 Jahren als Diakon nicht ans Aufhören denkt: "So lange ich zur Messe gehe, will ich dienen", sagt er, "ich bin ein bisschen langsamer geworden, aber ich helfe dem Priester gern. Denn ich bin am glücklichsten, wenn ich irgendwo helfen kann."

Von Patti Armstrong

Patti Armstrong © 2019 EWTN News, Inc. Used with permission from the National Catholic Register – www.ncregister.com. Aus dem Englischen von Christoph Paul Hartmann.