Gelebte Ökumene auf dem Kirchentag in Hamburg.
Bild: © KNA
Katholiken und Protestanten planen nächsten Ökumenischen Kirchentag

2019 nächster ÖKT?

Katholische und evangelische Laien planen für 2019 den nächsten ökumenischen Kirchentag. "Ich bin zuversichtlich, dass das klappen wird", sagte der Präsident des Evangelischen Kirchentages, Gerhard Robbers, am Freitag in Hamburg. Dazu seien freilich noch zahlreiche Gespräche und Vorbereitungen nötig. Ähnlich äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück.

Hamburg - 03.05.2013

Bereits 2017, dem 500. Jahrestag der Reformation, werde es ein "ökumenisches Zeichen" geben, sagte Glück. Welches, stehe noch nicht fest. Ökumenische Kirchentage gab es bereits 2003 in Berlin und 2010 in München. Der Ort der dritten Auflage ist offen. Hamburgs Erzbischof Werner Thissen hat seine Stadt als Gastgeber vorgeschlagen.

Der Freitag war der Tag der Spitzenpolitiker auf dem Hamburger Kirchentag. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trat auch ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück auf der evangelischen Großveranstaltung auf. Außerdem beteiligten sich Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) und der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, an den Debatten.

Merkel: Wir leben auf Kosten der Zukunft

Merkel verwies während einer Podiumsdiskussion auf den internationalen Vorbildcharakter der Energiewende in Deutschland. "Andere werden auf uns schauen und werden fragen, haben die das hingekriegt", sagte sie. "Wir müssen das schaffen mit der Energiewende, davon bin ich zutiefst überzeugt." Das sei wichtig für Deutschland, aber auch die Welt. Denn wenn dies nicht gelinge, würden andere Staaten "die Hände auch wieder in den Schoß legen", so die Kanzlerin.

"Wir leben in einer Welt, die mit Sicherheit auf Kosten der Zukunft lebt", sagte Merkel. Nötig sei eine Neufassung der Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. "Heute wissen wir schon, dass wir es nicht schaffen, alle Millenniumsziele zu erreichen." Im Zeitalter des Internets und der Globalisierung hätten die Menschen eine Chance, so viel wie nie zu vor über ihre Welt zu wissen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Hamburger Bischof Werner Thissen treffen sich am Rande des 34. Evangelischen Kirchentages in Hamburger.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Hamburger Bischof Werner Thissen treffen sich am Rande des 34. Evangelischen Kirchentages in Hamburger.

Unter dem Eindruck des jüngsten Fabrikeinsturzes in Bangladesch mit mehr als 500 Toten sprach sich Merkel für mehr Transparenz in der weltweiten Bekleidungsproduktion aus. So wie bei Tropenhölzern oder dem Palmöl sollte es auch bei der Textilproduktion "eine Herkunftserklärung" geben, sagte sie. Allerdings dürfe die entwickelte Welt mit dieser Forderung nicht zu dominant auftreten: "Die Entwicklungsländer haben natürlich Angst, ihren Wettbewerbsvorteil, billige Arbeitsplätze zu haben, wieder zu verlieren", so die Kanzlerin. "Wenn wir da alles besser wissen, werden wir keinen Erfolg haben."

SPD-Kanzlerkandidat: Banken stärker regulieren

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück forderte eine stärkere Regulierung der Banken und eine intensivere Bankenaufsicht. "Die Staaten dürfen nicht mehr erpressbar sein durch große Banken", erklärte er bei einer Diskussionsrunde mit dem Titel "Soziale Marktwirtschaft im Griff der Finanzmärkte". Ungedeckte Leerverkäufe und der Handel mit Kreditversicherungen müssten verboten werden. Allerdings gebe es auch "die eine oder andere Wette auf zukünftige Preise", die nicht verboten werden sollte: Dazu zählten etwa Wetten von Fluggesellschaften auf den künftigen Kerosinpreis, so Steinbrück.

Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Franz-Walter Steinmeier legte zusammen mit Alois Glück (CSU) ein überparteiliches und ökumenisches Bekenntnis zum Gebet ab. Das Gebet sei schon seit seiner Kindheit eine wichtige Stütze seiner Spiritualität, sagte der ZdK-Präsident Glück. Steinmeier erklärte, für ihn seien kurze Momente des Innehaltens und der Rückschau sehr wertvoll. "Es sind diese Minuten der Einkehr, die man braucht am Tage, die für mich dazu gehören und Teil der Spiritualität sind."

Islamische Theologin fordert offeneren Dialog gerade in Deutschland

Die Hamburger islamische Theologin Katajun Amirpur forderte einen offeneren Dialog zwischen den Religionen. Gerade in Deutschland seien interreligiöse Gespräche notwendig, sagte die Professorin für islamische Studien an der Hamburger Akademie der Weltreligionen. Sie verwies auf eine gerade veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, nach der jeder zweite Deutsche den Islam für eine Bedrohung hält. Andererseits betrachteten 39 Prozent der Muslime in Deutschland ausschließlich die eigene Religion als wahr und heilsbringend.

Diese weit verbreitete Annahme lasse sich jedoch mit der heiligen Schrift des Islam widerlegen, so Amirpur: "Pluralität ist gottgewollt und wird auch im Koran als gottgewollt definiert." Das häufige Scheitern interreligiöser Gespräche begründete sie muslimischerseits auch damit, dass der Koran immer noch oft politisch motiviert gelesen werde. Eines der Kernanliegen des Koran, Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften, werde dabei oftmals übersehen. (luk/KNA/dpa)

Mehr zum Thema

Weitere Artikel zum Evangelischen Kirchentag finden Sie hier: Versuchung im Gleichschritt - Zur Premiere der Bonhoeffer-Oper Die existenziellen Themen - Der zweite Tag in Hamburg "Zielscheibe von Terrorakten" - Erzbischof Zollitsch beklagt weltweite Christenverfolgung In einem Boot - Bericht zur Eröffnung des Kirchentags Treffen der Gegensätze - Kirchentagspräsident Gerhard Robbers im Interview Glauben stärken, Signale senden - Vorbericht zum Evangelischen Kirchentag "Brimborium gehört dazu" - Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen zum Kirchentag