Die Flagge weht an einem Fahnenmast.
"Pille danach" sorgt in Brasilien für Protest von Christen

50 Millionen Handzettel

Ein neues Gesetz zur Hilfe für Vergewaltigungsopfer in Brasilien erregt Kritik bei christlichen Organisationen. Staatspräsidentin Dilma Rousseff hatte am Donnerstag ein Gesetz unterzeichnet, das vergewaltigten Frauen einen Anspruch auf die "Pille danach" gewährt. Zudem müssen sie in öffentlichen Kliniken auf die Möglichkeit hingewiesen werden, einem Abtreibung durchführen zu lassen. Vertreter der katholischen Bewegungen "Pro-Vida" und "Pro-Familia" kündigten laut brasilianischen Medienberichten vom Freitag Proteste an.

Sao Paulo - 04.08.2013

Die katholischen Organisationen kritisierten, das Gesetz ermutige zu Schwangerschaftsabbrüchen. Deshalb wolle man "50 Millionen Handzettel" verteilen. Auch der evangelikale Politiker Marco Feliciano, Präsident der Menschenrechtskommission des Abgeordnetenhauses, verurteilte das Gesetz. Rousseff werde dafür bei den nächsten Wahlen Ende 2014 abgestraft werden, sagte Feliciano laut Medienberichten.

Brasiliens Bischofskonferenz äußerte sich bisher nicht zu dem neuen Gesetz. Katholische Krankenhäuser sind für rund die Hälfte aller durch das öffentliche Gesundheitssystem geleisteten Behandlungen verantwortlich.

Auf die Praxis kaum Auswirkung

Zwar gelte die neue Regelung für öffentliche Krankenhäuser; in der Praxis könnten sich Angestellten katholischer Einrichtungen jedoch aus "persönlichen ethischen Bedenken" weigern, die "Pille danach" abzugeben, so Etelvino Trindade von der "Vereinigung der Gynäkologen und Geburtshelfer".

Auf die Praxis hat das am Freitag im Amtsblatt veröffentlichte Gesetz kaum eine Auswirkung. Bereits jetzt gehört die "Pille danach" zur Versorgung von Vergewaltigungsopfern in öffentlichen Krankenhäusern. Das Präparat muss spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, um eine Befruchtung der Eizelle zu verhindern.

Katholische Kritiker wenden ein, dass das Mittel auch eine abtreibende Wirkung haben könne. Die Rechtslage in Brasilien erlaubt auch Abtreibungen, wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung zustande kam. Christliche Organisationen hatten auch diese Möglichkeit in der Vergangenheit kritisiert. (KNA)