Die indische Flagge weht an einem Fahnenmast vor blauem Himmel.
Seine eigenen Verwandten halten ihn für "ein böses Omen"

Aberglaube verhindert Primiz eines jungen Priesters

Nach einem Busunglück mit vielen Toten verbot man einem jungen indischen Priester, sein Dorf zu betreten. Monate später weigert sich die Gemeinde noch immer, mit ihm die erste Messe zu feiern.

Neu-Delhi/Paris - 13.03.2019

Ein neu geweihter katholischer Priester kann aufgrund des Aberglaubens der Gemeinde seine erste Messe nicht feiern. Im Januar verunglückte ein Bus, der Menschen zu seiner Weihe bringen sollte, deshalb betrachte man ihn als böses Omen, berichtete die französische Tageszeitung La Croix am Dienstag. Bei dem Unglück kamen auch elf Verwandte des Priesters ums Leben. Anfangs hätten die Gläubigen ihm verboten, das Dorf überhaupt zu betreten und noch immer sehe er sich mit sozialer Ausgrenzung konfrontiert.

"Der Widerstand kommt von Gemeindemitgliedern, die meisten von ihnen sind meine eigenen Verwandten", sagte der junge Priester. Die Ablehnung gegen ihn lasse auch nach zwei Monaten nur langsam nach, so La Croix. Trotzdem besuche der junge Priester seine Gläubigen: "Ich fühlte mich nicht willkommen, aber niemand hat mich verjagt." Ende Februar habe er eine Requiem-Messe für die Verstorbenen zumindest konzelebrieren dürfen. "Eines Tages werden sie begreifen, dass ich keine Schuld daran habe und auch nicht Gottes Zorn den Unfall verursacht hat", sagte der Priester. Bis zu dem Tag müsse er warten, um seine erste Messe in seiner Gemeinde feiern zu können.

Die Gemeinde des jungen Priesters liegt im ostindischen Bundesstaat Odisha und ist ländlich geprägt. Laut La Croix ist Aberglaube in dieser Region noch weit verbreitet. Die Menschen glaubten, dass sich der Zorn einer Gottheit durch einen Unfall oder zufälligen Todesfall ausdrücke. Wenn es während einer Feierlichkeit zu einem Unfall oder Todesfall komme, betrachteten die Menschen den Gefeierten als böses Omen. Die Gemeinde fürchte deshalb, bei einer Messe mit dem jungen Geistlichen selbst Unglück auf sich zu laden. (cst)