Man sieht den Mann im Schatten telefonieren.
Datensicherheit ist bei Seelsorgern und sozialen Diensten Alltag

Absolut sensible Daten

Die Vertraulichkeit und Privatsphäre bei Telefonaten und im Internet ist für soziale Dienste und Seelsorger ein wichtiges Thema. Bei Seelsorgegesprächen und Onlineberatungen verlassen sich Nutzer darauf, dass private Details bei der Vertrauensperson bleiben.

Bonn - 25.10.2013

Durch die Spähaffäre um die amerikanische National Security Agency (NSA), die offenbar selbst das Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgehört hat, ist das Thema in aller Munde. Die große Frage: Wie sicher sind Informationen, die ich per Email oder Telefon mit ausgewählten Personen teile?

Rund zwei Millionen Anrufe sind im vergangenen Jahr deutschlandweit bei der Telefonseelsorge mit den unterschiedlichsten privaten Anliegen eingegangen. Dass die Zahl der Anrufer nun angesichts der Debatte um Abhören und Ausspähen durch amerikanische Geheimdienste abgenommen hat, sieht die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Annelie Bracke, nicht - im Gegenteil.

"Es ist eigentlich kein Thema bei uns", so Bracke. Es gebe zwar durchaus Menschen, die Angst oder Sorge vor einem Abhören hätten, aber das seien dann zumeist private oder persönliche Gründe und habe nichts mit der Sorge einer bundesweiten Abhörgefahr zu tun.

Zur Verschwiegenheit verpflichtet

Zudem verliefen die Anrufe bei den insgesamt 105 Telefon-Seelsorgestellen im Bundesgebiet anonym wie nur irgend möglich. "Wenn Anrufe bei uns eingehen, ist die Nummer zum Beispiel automatisch unterdrückt, auch wenn die Person das so gar nicht eingestellt hat", sagt Bracke. Das sei eine Sicherheitsvorkehrung. Darüber hinaus könnten die Anrufe auch auf der Abrechnung nicht nachvollzogen werden. "Die bundesweite Telefonseelsorge ist gebührenfrei und damit auch nicht als Einzelverbindung nachweisbar", fügt Bracke hinzu.

Ebenso würden keine Daten der Telefonate gespeichert und wenn doch einmal zur Qualitätssicherung ein Telefonat intern mitgehört werde, würden alle privaten Angaben anonymisiert. "Es kommt immer mal vor, dass Personen doch ihren Namen oder ihren Wohnort am Telefon nennen", fügt Bracke hinzu. Alle Mitarbeiter und Seelsorgern seien aber zur Verschwiegenheit verpflichtet und wer dagegen verstoße begehe eine Straftat.

Auch bei der Caritas ist der Schutz von sensiblen und privaten Daten ein wichtiges Thema. Das katholische Hilfswerk bietet seit mehreren Jahren Beratungen im Netz an. Schwangerschaft, Suchtprobleme, Straffälligkeit und andere sehr private Themen können in einem gesonderten Bereich für Onlineberatungen mit Fachleuten besprochen werden. Alle Mitarbeiter unterstehen auch hier der gesetzlichen Schweigepflicht, ein Ausplaudern von Informationen ist streng verboten.

Extra gesicherter Bereich

Für die Onlinenachrichten der Ratsuchenden gebe es einen extra gesicherten Bereich, sagt die Sprecherin des deutschen Caritasverbands, Claudia Beck. "Wir haben sehr hohe Richtlinien", versichert sie. "Wir haben ein großes Interesse daran, dass die Daten sicher sind und die Nutzer Vertrauen haben in unsere Dienste."

Unter anderem werden die Anfragen verschlüsselt und können auch nur von einer zugangsberechtigten Person geöffnet werden. Auch die Antwort wird als verschlüsseltes Dokument gespeichert, was der Ratsuchende nur durch seinen mit Passwort geschützten Zugang zu der Onlineberatung abrufen kann. Rein per Email etwa gebe es gar keine Beratungen, betont Beck.

Ein wachsendes Misstrauen in Anbetracht der aktuellen Datendebatte sieht die auch die Caritas-Sprecherin nicht. "Ich glaube, die Konzentration liegt hier eher auf speziellen Einrichtungen, weniger auf Einzelschicksalen", so Beck.

Von Anna Mertens (KNA)

Online- Beratung

Ihr Leben schlägt Purzelbäume? Probleme wachsen Ihnen über den Kopf? Lassen Sie sich von Fachleuten der Caritas online beraten. Schnell und unkompliziert erhalten Sie Antworten auf Ihre Fragen. Und so geht's.

Telefonseelsorge

Plötzlich eintretende Probleme oder seelische Verletzungen bringen uns oft an unsere Grenzen. Wenn Freunde und Partner die falschen Ansprechpartner sind oder fehlen, ist die Telefonseelsorge eine gute Alternative. Die Telefonseelsorge ist ein gemeinsames Angebot der evangelischen und katholischen Kirche. Die Seelsorger sind offen für alle ernst gemeinten Anrufe. Sie hören zu und versuchen zu helfen.