Kopten demonstrieren in Kairo für ihre Rechte als Christen.
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Christen sollen am Referendum teilnehmen

Abstimmung in Ägypten

Wenn am Samstag in Ägypten über eine neue Verfassung abgestimmt wird, sind auch viele Christen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die evangelische und die katholische Kirche wollen sich trotz Bedenken wegen islamistischer Einflüsse im Verfassungstext an dem Referendum beteiligen. Darauf hatten sich Vertreter beider Konfessionen am Donnerstag geeinigt.

Bonn - 15.12.2012

Andre Zaki, Vizepräsident der anglikanischen Kirche in Ägypten, betonte laut dem Nachrichtenportal "Egynews" jedoch, der Appell bedeute keine inhaltliche Empfehlung. Jeder Christ müsse nach seiner persönlichen Überzeugung für oder gegen den Verfassungsentwurf stimmen. Auch der koptische Patriarch Tawadros II. betonte, die Kirche mische sich nicht in die Politik ein, aber die Christen sollten ihre Meinung äußern.

Dass die neue Verfassung die Position der Islamisten in Ägypten stärkt, ist auch die Meinung von Maria Haarmann, der Nahostreferentin des katholischen Hilfswerks Misereor. Nach einem Aufenthalt in dem Land sagte sie gegenüber Radio Vatikan: "Ich habe von christlicher Seite, darunter auch von Bischöfen, immer wieder gehört, solange es um die Prinzipien der Scharia gehe, sei dagegen nichts einzuwenden, dass es aber höchst gefährlich wäre, wenn es um die Bestimmungen der Scharia gehe. Und die jetzige Verfassung öffnet in der Tat unter Umständen die Tore für solche Interpretationen und Auslegungen."

Kauder kritisiert Christenverfolgung

Erst am vergangenen Wochenende hatte der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), eine Christenverfolgung in Ägypten kritisiert. "In Ägypten verschlechtert sich die Lage der Christen gerade rapide", sagte er der "Welt am Sonntag". Wenn nicht sichergestellt werden könne, dass man "am Sonntag unbehelligt in eine Kirche gehen kann, können wir nicht für den Tourismus in Ägypten werben".

Die Abstimmung über die ägyptische Verfassung soll laut Medienberichten auf die beiden kommenden Sonntage aufgeteilt werden, da sich nicht genügend Richter bereit erklärt hatten, die Stimmabgabe zu überwachen. Am Freitag warben sowohl Gegner als auch Befürworter des Regelwerks noch einmal für ihre Position. In Ägypten leben rund acht Millionen koptische Christen - sie machen zehn Prozent der Bevölkerung aus. (gho mit Material von KNA und Radio Vatikan)