Bischof Stephan Ackermann im Porträt
Bischöfe bei Zugangsformen zum Priesteramt unterschiedlicher Meinung

Ackermann für Pflichtzölibat – "Würde sonst verschwinden"

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hält eine Abkehr vom Pflichtzölibat für denkbar. Das sieht der Trierer Bischof Stephan Ackermann allerdings anders. Ein Weihbischof bringt derweil sogar die Frauenweihe ins Spiel.

Ulm/Essen - 07.02.2019

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hält die Ehelosigkeit bei Priestern "für eine wertvolle Lebensform". Wäre der Zölibat für katholische Geistliche nicht verpflichtend, würde "diese Lebensform verschwinden". Wer ehelos lebe, komme dann schnell in den Verdacht, "dass bei ihm etwas nicht stimmt", sagt er der "Südwest Presse" (Donnerstag).

Es sei außerdem naiv zu denken, "dass wir vor Missbrauch sicher wären, wenn wir nur den Zölibat über Bord werfen", sagte Ackermann, der Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist. Auch die Forscher der kirchlichen Missbrauchsstudie hätten betont, "dass der Zölibat nicht per se der Auslöser von Missbrauch ist". Das widerspräche auch dem Befund, dass Missbrauch am häufigsten im familiären Umfeld geschehe. Lediglich in Kombination mit bestimmten Faktoren werde der Zölibat zum Risiko. Deshalb seien Auswahl, Ausbildung und Begleitung von Priestern wichtig.

Weihbischof Grave will über Frauenweihe nachdenken

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hatte der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (Donnerstag) gesagt, mittelfristig sei eine Abkehr vom Pflichtzölibat in Deutschland denkbar. Die Verpflichtung zur Ehelosigkeit als einzigem Weg werde dann "möglicherweise der Vergangenheit angehören", so Kohlgraf. Er würde es begrüßen, wenn es unterschiedliche Zugangswege zum Priesteramt gebe. Aber auch Kohlgraf hatte davor gewarnt, den Zölibat für den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche verantwortlich zu machen. "Der Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch ist komplex und wird selbst unter Experten kontrovers diskutiert", so der Bischof. Sicherlich sei es ein Trugschluss, anzunehmen, ohne Zölibat gäbe es keinen Missbrauch in der Kirche.

Auch der Essener Weihbischof Franz Grave kann sich nicht vorstellen, dass der Pflichtzölibat unangetastet bleiben kann. "Die zölibatäre Lebensform der katholischen Priester, die etwas für sich hat, kann nicht der alleinige Weg in die Zukunft sein", sagte Grave am Donnerstag im Interview mit der Essener Kirchenzeitung "Neues Ruhr-Wort". Als Kirche müsse man auch über andere Formen des priesterlichen Wirkens nachdenken, so der 86-Jährige. Man müsse das Priesteramt etwa für "lebenserfahrene verheiratete Männer" öffnen. "Auch die Diskussion über Frauen im Priesteramt halte ich für eine gute Position. Wir dürfen es der Kirche nicht antun, sie von neuen Formen des Priesteramtes abzuschneiden", sagte Grave, der selbst auf 60 Jahre als Priester zurückblickt. (bod/dpa/KNA)