Erzbischof Victor Rodriguez Fernandez, Rektor der Päpstlichen katholischen Universität von Argentinien
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Papstvertrauter sieht verbindliche Interpretation

Amoris laetitia: Kritiker laufen in "tödliche Falle"

Im Streit um "Amoris laetitia" meldet sich nun auch der Ghostwriter zu Wort: Erzbischof Fernandez geht hart ins Gericht mit Kritikern des päpstlichen Schreibens. Indirekt wirft er ihnen sogar Häresie vor.

Bonn - 22.08.2017

In die Debatte über "Amoris laetitia" und den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen hat sich nun auch der mutmaßliche Ghostwriter des päpstlichen Schreibens eingeschaltet. Einige Kritiker des achten Kapitels von Amoris laetitia liefen Gefahr, "Verrat am Herzstück des Evangeliums zu begehen", schreibt der argentinische Erzbischof Victor Manuel Fernandez in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift "Medellin", die vom Rat der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen CELAM herausgegeben wird.

Fernandez weist zudem den Vorwurf zurück, Franziskus habe sich nicht klar genug zum Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen geäußert, weil sich die einschlägige Aussage nur in einer Fußnote von Amoris laetitia befinde.

Der Papst habe in seinem Schreiben an die argentinischen Bischöfe vom 9. September 2016 eine "verbindliche Interpretation" des achten Kapitels gegeben, erklärt Fernandez in seinem Gastbeitrag für ein Sonderheft der Zeitschrift Medellin zu Papst Franziskus. In dem Brief hatte Franziskus die neuen Richtlinien der Bischofskonferenz zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen gutgeheißen, die im begründeten Einzelfall eine Zulassung zur Kommunion vorsehen. Das Schreiben war damals in der vatikanischen Tageszeitung "Osservatore Romano" veröffentlicht worden.

Verbindliche Interpretation des Papstes liegt längst vor

Fernandez widerspricht dem Einwand von Kritikern, ein Papst könne verbindliche Interpretationen nicht in Form eines Briefes an Bischöfe geben. Er führt mehrere Vorbilder früherer Päpste für ein solches Vorgehen an.

Hinter der Kritik an Amoris laetitia stehe bisweilen eine Logik, die zu einer "tödlichen Falle" werde, weil sie das Evangelium und das päpstliche Lehramt "einer Art von intellektuellem Pelagianismus" unterwerfe, so der Rektor der katholischen Universität Argentiniens weiter. Der Pelagianismus lehrte, dass der Mensch sündenlos bleiben könne und war 431 vom Konzil von Ephesus als Häresie verurteilt worden.

Fernandez gilt als enger theologischer Berater des Papstes. Nach Auffassung von Beobachtern hat er maßgeblich den Entwurf für Amoris laetitia geprägt.

Im November 2016 hatten vier Kardinäle, unter ihnen der verstorbene Kölner Erzbischof Joachim Meisner und der deutsche Kardinal Walter Brandmüller, in einem offenen Brief Zweifel an der Vereinbarkeit von Amoris laetita mit der bisherigen kirchlichen Lehre geäußert. Sie forderten mehr Klarheit über den künftigen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Seither hält die Debatte über die Interpretation des päpstlichen Schreibens an. (tja)