Antonius-von-Padua-Schule bekommt Inklusionspreis
Fuldaer Grundschule bietet klassenübergreifendes Lernen

Antonius-von-Padua-Schule bekommt Inklusionspreis

Ob da Antonius selbst nachgeholfen hat? Am Gedenktag des beliebten Heiligen wurde bekanntgegeben, dass die Antonius-von-Padua-Schule in Fulda eine besondere Auszeichnung für ihre Arbeit erhält.

Gütersloh/Fulda - 13.06.2017

Die Antonius-von-Padua-Schule in Fulda erhält den Jakob-Muth-Preis für ihr besonderes Engagement um die Inklusion. Sie und zwei weitere Preisträger erhalten je 3.000 Euro, wie die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag in Gütersloh mitteilte. Diese ehrt seit 2009 gemeinsam mit der Bundesregierung und der Deutschen Unesco-Kommission Schulen für ihren Einsatz um das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Schülern.

Die Fuldaer Schule entstand aus einer 1904 gegründeten bürgerlichen Stiftung. Schnell habe man erkannt, dass man in dem Verwahrheim für Kinder mit geistiger Behinderung Bildung anbieten wolle, berichtet Schulrektor Hanno Henkel gegenüber katholisch.de. Seit etwa 1908 bis in die 1990er Jahre hinein leiteten Vinzentinerinnen die Schule für Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Im Schuljahr 2014/2015 wurde aus der Grundstufe der Förderschule eine inklusive Grundschule, in der Kinder klassenübergreifend von- und miteinander lernen. Derzeit besuchen nach Henkels Angaben 60 Kinder in der Grundschule und weitere 60 Kinder und Jugendliche die Förderschule.

Lob von Verena Bentele

Die Bertelsmann-Stiftung teilte in ihrer Begründung mit, dass neben gut durchdachter Didaktik auch die offene Architektur mit nur wenigen Türen und vielen verschiedenen Arbeitsorten zu gelingendem Lernen beitrage. "Die Antonius-von-Padua-Schule zeigt, dass Inklusion sehr unterschiedlich umgesetzt werden kann. Hier öffnet sich eine Förderschule für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen", sagte die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele.

Die Antonius-von-Padua-Schule in Fulda samt inklusiver Grundschule. Die Einrichtung erhielt im Jahr 2017 den Jakob-Muth-Preis für ihr besonderes Engagement um die Inklusion.

Weitere Preisträger sind der Schulcampus Rostock-Evershagen und die Geschwister-Prenski-Schule in Lübeck. Der Rostocker Schulcampus überzeugte die Jury mit einem umfassenden Inklusionsverständnis. Unabhängig vom diagnostizierten Förderbedarf würden alle der rund 1.000 Kinder und Jugendlichen in den Blick genommen und durch ein gut funktionierendes Netzwerk vorbildlich unterstützt, hieß es. Auch der Lübecker Schule gelinge es vorbildhaft, durch ein gebundenes Ganztagsangebot und die Vernetzung mit einem unterstützenden Umfeld das gemeinsame Lernen für alle Kinder und Jugendliche zu begünstigen.

Zudem erhält die niedersächsische Stadt Oldenburg 5.000 Euro für das Projekt "AG Inklusion". Die 2012 gegründete Arbeitsgemeinschaft leiste "Inklusionsarbeit in ganz besonderem Sinne", weil stets stadtweite Lösungen gesucht würden, so die Jury. In der AG engagieren sich rund 60 Mitglieder unter anderem aus Selbsthilfegruppen, Schulen, Stadtelternrat, Stadtschülerrat und der Landesschulbehörde. Verliehen wird die Auszeichnung an alle Preisträger am 21. Juni in Rostock. Der Namensgeber für den Preis ist der Pädagogikprofessor Jakob Muth (1927-1993), der sich dafür einsetzte, dass behinderte Kinder ins allgemeine Schulwesen integriert werden. Inklusion im Bildungsbereich bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale entwickeln zu können. (luk)

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Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für theologische Ethik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin, plädiert für inklusive Schulen und zeigt auf, wo sich das bestehende System ändern muss. (Interview aus dem Jahr 2014)