Ein Plakat mit einem Porträt der pakistanischen Christin Asia Bibi
"Die Zeit wird knapp"

Anwalt: Asia Bibi will nach Deutschland ausreisen

Auch nach ihrer Haftentlassung befindet sich die der Blasphemie beschuldigte Christin Asia Bibi in Pakistan und wird von radikalen Muslimen bedroht. Sie möchte mit ihrer Familie ausreisen – am liebsten nach Deutschland. Viel Zeit bleibt ihr dafür aber nicht mehr.

Berlin - 11.11.2018

Nach ihrer Entlassung aus einem pakistanischen Gefängnis will die Christin Asia Bibi ihr Heimatland verlassen und mit ihrer Familie nach Deutschland kommen. Bibis Anwalt Saif-ul-Malook sagte "Bild am Sonntag": "Meine Mandantin wäre glücklich, wenn sie mit ihrer Familie nach Deutschland ausreisen könnte."

Die Christin war 2010 wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Am 31. Oktober sprach sie das Oberste Gericht Pakistans überraschend frei. Seither schicken islamistische Gruppen Tausende Demonstranten auf die Straße, um gegen das Urteil zu protestieren und Bibis Hinrichtung zu fordern. Anwalt Saif-ul-Malook mahnte zur Eile: "Es gibt für meine Mandantin keine gerichtlichen Auflagen. Sie kann gehen, wohin sie will. Aber die Zeit wird knapp."

Deutsche Regierung offenbar bereit

Deutschland ist offenbar bereit, Bibi und ihre Familie unter bestimmten Bedingungen aufzunehmen. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es laut "Bild am Sonntag": "Wir sind mit der pakistanischen Regierung und unseren Partnern im Gespräch. Für uns steht der Schutz von Asia Bibi und ihrer Familie im Vordergrund." Mehrere europäische Länder seien mit Blick auf eine mögliche Aufnahme aufgeschlossen. "Dazu gehört selbstverständlich auch Deutschland", so das Außenministerium.

Bibis Ehemann Ashiq Masih hatte einige westliche Staaten um Asyl gebeten und dabei besonders an die italienische Regierung appelliert, seiner Familie zu helfen.

Katrin Göring-Eckardt ist Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2013.

Katrin Göring-Eckardt.

Immer mehr Stimmen forderten unterdessen eine Aufnahme der pakistanischen Christin in Deutschland. "Nach all dem Leid, das Asia Bibi und ihrer Familie zugestoßen ist, darf ihre Ausreise aus Pakistan nicht weiter in der Luft hängen, nur weil man sich nicht einigen kann, welches Land zu einer Aufnahme bereit ist", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Sonntag. Die Bundesregierung müsse jetzt handeln. "Das wäre ein starkes Zeichen für die Religionsfreiheit und die Menschenrechte", so die Politikerin.

Auch die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Gyde Jensen (FDP), forderte eine Aufnahme in Deutschland. "Die Bundesregierung muss alle diplomatischen Hebel in Bewegung setzen, um ihr Leben zu schützen", sagte sie dem "Tagesspiegel" (Montag). "In Pakistan scheinen nicht mehr Gerichte über Recht zu entscheiden, sondern ein radikaler Mob."

Zentralrat der Muslime in Kontakt mit Merkel und Marx

er Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), der Bibi zu einer Veranstaltung im Rahmen eines Interreligiösen Dialoges nach Deutschland einlud. "Wir begrüßen ausdrücklich die Aufhebung des Urteils durch die höchsten pakistanischen Gerichte und die kluge Haltung des pakistanischen Premierministers und sehen nun eine gute Chance, in einer offenen Atmosphäre über Religions- und Meinungsfreiheit zu diskutieren", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Sonntag in Berlin. Der Zentralrat habe Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe für ein Einreisevisum für die Bundesrepublik gebeten, so Mazyek weiter. "Wir würden es zudem sehr begrüßen, wenn uns die katholische Kirche bei unserem Vorhaben einer interreligiösen Begegnung mit Frau Asia Bibi unterstützt", ergänzte der Vorsitzende. Ein entsprechendes Schreiben sei an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, geschickt worden.

Um den Aufenthaltsort Bibis hatte es zuletzt Verwirrung gegeben: Nach ihrer Haftentlassung vermeldeten  verschiedene Medien zunächst, die 51-Jährige habe Pakistan bereits verlassen. Das dementierte kurze Zeit später ein Sprecher das pakistanischen Außenministeriums. Bibi sei unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zu einem unbekannten Ort gebracht worden, hieß es. (tmg/KNA/dpa)

11.11., 16:40 Uhr: Ergänzt um die Absätze 5, 6 und 7.