Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
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Sternberg sieht keinen Zusammenhang von Missbrauch und Zölibat

Auch ZdK kritisiert "Durchstechen" der Missbrauchsstudie

Wie die deutschen Bischöfe nennt auch ZdK-Präsident Thomas Sternberg die Ergebnisse der Studie "beschämend". Und wie sie kritisiert er die Vorabveröffentlichung. Gleichzeitig hegt er aber eine Hoffnung.

Köln - 13.09.2018

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat die Vorveröffentlichung von Teilen einer kirchlichen Missbrauchsstudie kritisiert. Er finde es "schon schwierig", dass in den Medien einem Bericht vorgegriffen werde, der "offensichtlich zu Teilen durchgestochen worden ist", den "aber niemand kennt", sagte er am Donnerstag im WDR-5-Morgenecho.

Die Thematik des sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche sei "natürlich beschämend, ganz schrecklich, vor allen Dingen aber das Leiden der Betroffenen", sagte der Chef der obersten Laienorganisation der katholischen Kirche. Doch wolle er "einen Bericht nicht kommentieren, der noch nicht vorliegt, der selbst den Bischöfen noch nicht vorliegt", so Sternberg.

Auch deutsche Bischöfe hatten Kritik geübt

Am Mittwoch waren erste Ergebnisse einer im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellten Studie bekanntgeworden. Demnach gab es zwischen 1949 und 2014 insgesamt 3.677 Opfer sexueller Übergriffe von mindestens 1.670 Priestern. Mehr als die Hälfte der Betroffenen war zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre. Die komplette, 500 Seiten umfassende Studie wollen die Bischöfe am 25. September auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda präsentieren.

Wie der ZdK-Präsident hatten auch die deutschen Bischöfe die Ergebnisse in einer ersten Reaktion "beschämend" genannt und gleichzeitig die Vorabveröffentlichung kritisiert. Die Indiskretion, die zur Veröffentlichung der Studie geführt habe, sei sei "ein schwerer Schlag" für die Betroffenen, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann. Denn man habe geplant, die Studie mit einem Beratungsangebot für Betroffene zu flankieren. Dazu solle eine Hotline für Menschen eingerichtet werden, "die aufgrund der Berichterstattung aufgewühlt sind und mit jemandem sprechen müssten".

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Der Missbrauchbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, hatte sich kurz nach den Berichten von "Zeit" und "Spiegel" in einem ersten Statement zur Studie geäußert.

Sternberg äußerte die Hoffnung, dass die Ergebnisse der Studie zu einer weiteren Verbesserung der Missbrauchsprävention führen werden. "Das ist das Positive an diesem sehr, sehr schmerzlichen Prozess, dass es zumindest eine deutliche Prävention gibt, dass alle Männer und Frauen, die in der katholischen Kirche mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sich inzwischen ausführlichen Ausbildungen und Prüfungen unterziehen müssen", so der ZdK-Chef.

Sternberg: Sexualmoral und Zölibat nicht verantwortlich

Als ein Problem nannte er, dass Missbrauchsvergehen mitunter "sehr stark" als "innerkirchliche Fragen und Probleme" gesehen worden seien, die auch innerkirchlich zu sanktionieren seien. "Nein, das sind natürlich Straftaten, die auch in ein normales strafrechtliches Verfahren gehören", bekräftigte Sternberg. Dagegen wies er einen Zusammenhang zwischen katholischer Sexualmoral und Pflichtzölibat mit Missbrauchsvergehen zurück. "Ich halte den Kurzschluss, dass ein Leben als Single dazu führt, dass man Kinder missbraucht, für geradezu grotesk und unsinnig", so Sternberg. Auch sei Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Ausdrücklich begrüßte Sternberg die von Papst Franziskus am Mittwoch für Februar angekündigte Konferenz aller Bischofskonferenzen zum Thema Missbrauch. "Wir haben diese Skandale gehabt jetzt in vielen Ländern hintereinander. Ich glaube, es ist wirklich an der Zeit, dass sich diese Weltkirche sehr klar diesem Problem noch einmal stellt." (bod/KNA)